Außerschulische Bildung 3/2026
Verlernen lernen – Pädagogische Praxen der Dekolonialisierung
Zu diesem Heft
Koloniale Denkmuster prägen unser Denken und unsere Institutionen, selbst das, was wir für neutral, objektiv oder universell halten. Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen, wie pädagogische Praxis koloniale Kontinuitäten durch kritische Reflexion, affektive Pädagogik und die bewusste Einbindung marginalisierter Wissensperspektiven unterbrechen kann. Dabei ist das Verlernen ein zentrales Konzept antikolonialer und dekolonialer Bildungsansätze. Es bezeichnet den bewussten Prozess, internalisierte Denk- und Machtstrukturen, hegemoniale Wissensordnungen und dominante Narrative kritisch zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Es stellt in Frage, was in westlich geprägten Bildungssystemen als objektiv, neutral oder universell gilt – denn dieses Wissen ist oft tief in kolonialen Hierarchien, Ausschlüssen und eurozentrischen Perspektiven verankert.
Von dekolonialen Stadtrundgängen in Köln, die hegemoniale Wissensordnungen hinterfragen, über das Projekt „City Research“ im Humboldt Forum, das kolonialen Spuren in Berlin und Dar es Salaam nachgeht, bis hin zu den Bildungsmaterialien „Verflechtungen“ der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Verbindungen von Kolonialismus, Rassismus und Antisemitismus im Nationalsozialismus aufdecken: Die Autor*innen dieser Ausgabe präsentieren vielfältige Methoden des Verlernens als emanzipatorische und transformative Praxis. Es geht dabei nicht um ein Vergessen, sondern um ein bewusstes Infragestellen internalisierter Privilegien, Herrschaftsstrukturen und kolonialer Narrative – wie es im autobiografischen Archivprojekt DAASO, in der „Black Empowerment Academy“ von EOTO e. V. oder in der Arbeit mit Biografien Schwarzer Menschen unter nationalsozialistischer Herrschaft deutlich wird.
Dabei werden Emotionen wach, mit denen gezielt gearbeitet werden muss: Irritationen, Abwehr und Schuldgefühle – aber auch die Lust, sich über Grenzen hinweg zu verbinden, gemeinsam neue Wege zu gehen und Resignation zu verweigern.
Die Ausgabe unserer Fachzeitschrift lädt dazu ein, sich auf diesen herausfordernden und bereichernden Prozess einzulassen.