Glokal e. V. ist ein Berliner Verein für machtkritische Bildungsarbeit und Beratung, der seit 2006 in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung und in der Beratung von Organisationen, Institutionen, Vereinen, Initiativen und Multiplikator*innen tätig ist. Der Verein sensibilisiert für globale und innergesellschaftliche Machtverhältnisse und befähigt und Menschen, zu deren Abbau beizutragen. Er stellt ebenso Materialien für die Bildungsarbeit zur Verfügung.
Der Verein ufuq.de – Bundesweite Initiative für demokratische Kultur und Violenzprävention setzt einen Schwerpunkt auf dekoloniale Bildungsarbeit, Aufklärung über Kolonialgeschichte und ihre heutigen Auswirkungen. Ziel ist die kritische Reflexion von Machtstrukturen in Bildung, Gesellschaft und Politik.
Der Schwerpunkt des Vereins Berlin Postkolonial e. V. liegt auf der Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte. Er bietet postkoloniale Stadtrundgänge an und organisiert Ausstellungen. Ein Projekt ist z. B. „Dekoloniale“, das in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e. V. und Each One Teach One (EOTO) e. V. durchgeführt wurde. Ähnliche Vereine finden sich in vielen weiteren Städten in Deutschland, so z. B. in Freiburg (www.freiburg-postkolonial.de), in Leipzig (https://leipzig-postkolonial.de) oder in Koblenz (www.koblenz.postkolonial.net).
Das Afrika-Haus Berlin ist ein interkulturelles Begegnungszentrum mit Fokus auf afrikanische Geschichte, Politik und Philosophie. Es bietet regelmäßig Raum für Diskussionsrunden, Filmvorführungen, Buchpräsentationen, Theateraufführungen, Ausstellungen und musikalische Darbietungen. Die Schwerpunkte liegen auf Geschichte, Politik, Literatur und Philosophie Afrikas und der afrikanisch-europäischen Beziehungen.
Das Arnold-Bergstraesser-Institut ist in den Bereichen comparative areas studies und transregionale Studien eines der bedeutendsten Forschungsinstitute Deutschlands. Als unabhängige, gemeinnützige Forschungseinrichtung kooperiert das Institut mit der Universität Freiburg. Das Institut wurde 1960 gegründet und geht auf den damaligen Professor für Politikwissenschaften und Soziologie der Universität Freiburg, Arnold Bergstraesser, zurück.
Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) und die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) haben einen Leitfaden zu „Kolonialen Kontexten in Bibliotheken“ veröffentlicht. Der Leitfaden richtet sich an Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Ziel ist es, Bibliotheken bei der Entwicklung eigener Strategien beim Umgang mit kolonialen Beständen zu unterstützen und zudem einen reflektierten Umgang mit historisch gewachsenen Beständen zu fördern. Dabei werden in dem Leitfaden sowohl rechtliche Rahmenbedingungen als auch ethische und institutionelle Fragestellungen berücksichtigt. Neben grundlegenden Einordnungen enthält der Leitfaden zudem konkrete Handlungsempfehlungen zu Themen wie Provenienzforschung, Erwerbung, Bestandspräsentation sowie digitaler Bereitstellung und Metadaten.
Seit 2024 wurde der Leitfaden in einem kollaborativen Prozess von Kolleg*innen aus Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken, Museumsbibliotheken sowie Forschungsinstituten erarbeitet. Er versteht sich als praktische Orientierungshilfe und als Beitrag zu einer fortlaufenden Diskussion. Unterstützt wurde die Entwicklung des Leitfadens von der ETH Zürich, der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung, den Fachinformationsdiensten Sozial- und Kulturanthropologie und Afrika Studien sowie der Staatsbibliothek zu Berlin.
Der neue Monitoringbericht zu Anti-Schwarzem Rassismus in Berlin, herausgegeben von Each One Teach One (EOTO) e. V., wurde Anfang Juli 2026 veröffentlicht. Er dokumentiert für das Jahr 2025 insgesamt 500 Fälle rassistischer Diskriminierung und Gewalt. 471 davon wurden als konkrete Fälle von Anti-Schwarzem Rassismus eingeordnet. Die dokumentierten Fälle verdeutlichen, dass Anti-Schwarzer Rassismus weiterhin sämtliche Lebensbereiche durchzieht und sowohl auf individueller als auch auf institutionell-struktureller Ebene wirksam wird. Die Zahl der erfassten Fälle hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt – von 213 Fällen im Jahr 2024 auf 471 Fälle im Jahr 2025.
Die dokumentierten Fälle zeigen nicht nur die Kontinuität Anti-Schwarzen Rassismus, sondern auch eine zunehmende Verschiebung der Grenzen des Sag- und Machbaren im öffentlichen Alltag. Offene NS-Bezüge, rassistische Parolen sowie Abschiebe- und Entmenschlichungsrhetoriken treten sichtbarer hervor und werden zunehmend normalisiert.
Mit 229 dokumentierten Fällen bleibt der öffentliche Raum der am stärksten betroffene Lebensbereich. Schwarze Menschen erleben im öffentlichen Raum rassistische Herabwürdigungen, Einschüchterungen, Bedrohungen und gewaltvolle Übergriffe im Alltag. Diese Vorfälle beeinträchtigen die Sicherheit Schwarzer Menschen erheblich. Die dokumentierten Fälle zeigen zudem, dass Anti-Schwarzer Rassismus bereits sehr junge Schwarze Kinder betrifft. Erfasst wurden auch körperliche Angriffe durch Erwachsene auf Schwarze Kinder sowie gewaltvolle Übergriffe auf Schwarze Frauen. Schwarze Menschen sind im öffentlichen Raum nicht nur Herabwürdigungen und Bedrohungen ausgesetzt, sondern auch das Ausmaß und die Schwere rassistischer Gewalt werden deutlich. Öffentliche Verkehrsmittel und Haltestellen treten dabei wiederholt als zentrale Tatorte rassistischer Vorfälle in Erscheinung.
Der Bericht macht deutlich, dass rassistische Gewalt nicht nur körperlich wirkt, sondern auch atmosphärisch, räumlich und dauerhaft. Schwarze Menschen erleben selbst alltägliche Wege zunehmend unter Bedingungen von Unsicherheit und rassistischer Bedrohung.
Der Monitoringbericht macht deutlich, dass Anti-Schwarzer Rassismus nicht als Ausnahmephänomen verstanden werden kann, sondern als strukturelles gesellschaftliches Verhältnis wirksam bleibt, das Sicherheit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe Schwarzer Menschen nachhaltig beeinflusst. Die dokumentierten Fälle verdeutlichen zugleich den erheblichen Handlungsbedarf bei der Bekämpfung von Anti-Schwarzem Rassismus. Erforderlich sind daher verbindliche Maßnahmen zum Abbau institutionellen Rassismus‘ in Behörden und Bildungseinrichtungen, wirksame Schutzkonzepte gegen rassistische Gewalt im öffentlichen Raum, der Ausbau unabhängiger Beschwerde- und Beratungsstrukturen sowie eine Weiterentwicklung und Stärkung der im AGG und LADG verankerten Rechte und Instrumente. Darüber hinaus bedarf es einer dauerhaften Stärkung von Monitoring- und Antidiskriminierungsstrukturen.
Die Koordinationsstelle zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes Thüringens hat sich zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Dialog über das „Koloniale Erbe in Thüringen“ anzuregen und in seinen verschiedenen Facetten aufzuzeigen. Im Fokus steht der spezifische Beitrag, den Universitäten und Forschungsprojekte in der aktuellen Debatte um das koloniale Erbe leisten können. Ähnliche Koordinierungsstellen gibt es auch in anderen Bundesländern.
Der Verein MeineWelt e. V. (Mannheim) setzt sich für interkulturelle Verständigung, Bildung und die Sichtbarkeit vielfältiger Perspektiven ein. Der Verein stärkt insbesondere die Stimmen und Erfahrungen von Menschen aus afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Communities sowie der Schwarzen Gemeinschaft und engagiert sich für Gerechtigkeit, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Die Arbeit wird in verschiedenen Projekten sichtbar, darunter die Initiative „Black Academy“ mit Angeboten wie „365 Tage Schwarze Geschichte(n)“, dem „Black Future Lab“ zur Stärkung von Führungskompetenzen junger FLINTA of Color sowie Storytelling-Formaten zur Sichtbarmachung Schwarzer Geschichte(n), Wissensbestände und Community-Engagements.
Die Exile Kulturkoordination e. V. (Essen) macht mit Kunst und Bildung vielfältige Perspektiven sichtbar und fördert den gesellschaftlichen Dialog. Im Rahmen der Fachpromotor*innenarbeit zu kultureller Vielfalt und Entwicklung vermittelt der Verein Künstler*innen, Autor*innen und internationale Expert*innen und unterstützt Bildungseinrichtungen mit vielfältigen Materialien. Dazu gehören unter anderem die Handreichung und das Arbeitsheft zur Web-App essen.colonialtracks.de, Unterrichtsmodule zu Kolonialismus, ein Reader zum Fairen Handel sowie die Bildungsmodule „Perspektive(n) Afrika(s)“.
Südblicke – Perspektiven aus dem Globalen Süden ist eine Online-Plattform, die Materialien für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen bereitstellt. Ziel der Lernplattform ist es, Perspektiven aus dem Globalen Süden im Globalen Lernen zu stärken und damit die häufig eurozentrisch geprägte Sicht auf die Welt zu erweitern. So sollen bislang wenig berücksichtigte Perspektiven sichtbar gemacht und bestehende Wissenslücken geschlossen werden.
Kribi – Kollektiv für politische Bildung Berlin hat eine Broschüre mit dem Titel „Meine Welt – Unsere Welten. Dekoloniale Perspektiven und Ansätze im Globalen Lernen“ herausgegeben. Sie ist bereits 2020 erschienen. Kribi ist eine Arbeitsgruppe von reflect! Assoziation für politische Bildung und Gesellschaftsforschung e. V.
Außerschulische Bildungsorte im Umgang mit der kolonialen Geschichte Deutschlands: Beispiele aus Museen
Das Weltkulturen Museum ist ein Museum der Stadt Frankfurt am Main mit wechselnden Ausstellungen, der Weltkulturen Bibliothek und dem Weltkulturen Labor. Die Website bietet zahlreiche Informationen und Publikationen zur Auseinandersetzung mit kolonialen Kontinuitäten, darunter die zweibändige Veröffentlichung „Das Museum verlernen? Kolonialität und Vermittlung in ethnologischen Museen“, die sich mit kritischer Bildungsarbeit und dekolonisierenden Perspektiven in ethnologischen Museen beschäftigt. Der erste Band präsentiert eine Analyse gegenwärtiger Diskurse in einem konfliktreichen Praxisfeld und im zweiten Band Praxen und Reflexionen kritischer Bildung und Wissensproduktion: Wie geht die Bildungsarbeit im ethnologischen Museum mit dem kolonialen Erbe der Institutionen um? Kann das ethnologische Museum ein Ort des Verlernens sein, und wenn ja, wie? Die zweibändige Publikation widmet sich der Vermittlungsarbeit in dekolonisierender Perspektive.
Das Übersee-Museum Bremen setzt sich in seinen Ausstellungen und Bildungsangeboten mit globalen Zusammenhängen, kultureller Vielfalt und kolonialen Kontinuitäten auseinander. Ein Schwerpunkt liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Herkunft der Sammlungen sowie mit Themen wie Kolonialismus, Ressourcennutzung, Klimawandel, gesellschaftlichen Werten und globalen Beziehungen.
Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt setzt sich mit kolonialen Kontinuitäten, Provenienzforschung und Restitution auseinander. Die Dauerausstellung wird gemeinsam mit Expert*innen aus dem Globalen Süden und der Diaspora weiterentwickelt. Ergänzend bietet das Museum rassismuskritische Führungen sowie Veranstaltungen wie Erzählcafés, Filmreihen, Workshops und Podiumsdiskussionen an. Ein Beispiel für die inhaltliche Auseinandersetzung ist die Ausstellung „RESIST! Die Kunst des Widerstands“, die antikolonialen Widerstand im Globalen Süden und die Auswirkungen kolonialer Herrschaft bis in die Gegenwart thematisiert.
Publikation: Drei Berliner Museen im Umgang mit ihrem kolonialen Erbe: Brücke-Museum/Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin/Stiftung Stadtmuseum Berlin/Bystron, Daniela/Fäser, Anne (Hrsg.) (2022): Das Museum dekolonisieren? Kolonialität und museale Praxis in Berlin. Bielefeld: transkript