Ergebnisse der Trägerbefragung im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Monitor politische Bildung“
Zur Relevanz einer Trägerbefragung
Der Bereich der nonformalen bzw. außerschulischen politischen Bildung (APB) in Deutschland ist durch eine große Vielfalt an Anbietern, Organisationsformen und Finanzierungsstrukturen gekennzeichnet (vgl. Hufer 2015; BMFSFJ 2020). Diese Heterogenität erschwert eine systematische Orientierung über das Feld. Auch variieren die Kategorien, mit denen Daten erfasst und aufbereitet werden, u. a. nach Fördergebern und Bundesländern, was aussagekräftigen trägerübergreifenden Vergleichen entgegensteht. Insgesamt besteht somit eine Lücke hinsichtlich Daten zu grundlegenden Strukturmerkmalen der außerschulischen politischen Bildung.
An dieser Lücke setzt der Pilotmonitor politische Bildung (Abs et al. 2025) an, der aus der von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) geförderten Machbarkeitsstudie Monitor politische Bildung hervorgegangen ist. Dieser indikatorengestützte Bericht legt die Grundlage für ein künftiges regelmäßig wiederkehrendes Monitoring der politischen Bildung, wobei neben politischer Bildung an Schulen, Hochschulen und in der Lehrkräftebildung der 2. und 3. Phase auch der Bereich der APB untersucht wurde. Der Pilotmonitor greift dabei überwiegend auf bereits vorhandene Datenquellen zurück. Gerade im Bereich der APB zeigen sich jedoch im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen besonders ausgeprägte Datenlücken (vgl. Posenau et al. 2025). Vor diesem Hintergrund wurde mit der Trägerbefragung außerschulische politische Bildung (TAPB) ein Erhebungsinstrument entwickelt und pilotiert, um für relevante Fragen trägerübergreifende Daten bereitzustellen.
Zur systematischen und pragmatisch erforderlichen Eingrenzung des Untersuchungsfeldes wurden im Pilotmonitor, auch auf Basis zahlreicher Expertengespräche, zentrale Kernakteursgruppen der APB identifiziert (vgl. Hulkovych et al. 2025, S. 384 f.). Die trägerübergreifende anonyme Online-Befragung TAPB richtete sich unter anderem an die Mitglieder des Bundesausschusses Politische Bildung (bap), an die von der bpb anerkannten Träger sowie an Mitgliedsorganisationen der Landesjugendringe.
Eine Trägerbefragung stellt einen elementaren methodischen Bestandteil eines Monitorings für den Bereich der außerschulischen politischen Bildung dar, da Träger über Informationen verfügen, die weder amtliche Statistiken noch andere Erhebungsformen systematisch abbilden.
Über die Arbeitsbedingungen und Qualifikationsprofile des mit politischer Bildung befassten Personals liegen bislang nur wenig systematische und vergleichbare empirische Erkenntnisse vor (vgl. BMFSFJ 2020). So fehlen belastbare Daten zur Ausbildung und Vergütung dieser Mitarbeiter*innen. Gleichzeitig ist die Professionalisierung der Fachkräfte in der APB seit Jahren Thema in Fachgesprächen der Wissenschaft und Bildungspraxis. In diesem Zusammenhang wird ebenso auf die projektförmige Finanzierungslogik und damit verbundene Unsicherheiten verwiesen. Diese „Projektitis“ übt weiter Druck auf die Träger der APB aus und verschärft die Situation der Mitarbeitenden (vgl. Metje 2024, S. 217). Die Dynamik ist Folge institutioneller Rahmenbedingungen: Finanzierungsformen und Trägerlogiken prägen maßgeblich, wie Professionalität in der (außerschulischen) politischen Bildung ausgestaltet wird (vgl. Scheidig 2016).
Eine Trägerbefragung stellt einen elementaren methodischen Bestandteil eines Monitorings für den Bereich der APB dar, da Träger über Informationen verfügen, die weder amtliche Statistiken noch andere Erhebungsformen systematisch abbilden. Sie ermöglicht es, strukturelle Merkmale vergleichend zu erfassen, und bietet eine empirische Grundlage für weiterführende Analysen. Im vorliegenden Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse einer über den Pilotmonitor hinausgehenden Analyse der TAPB-Daten vorgestellt, um Chancen und Herausforderungen einer wiederkehrenden trägerübergreifenden Befragung exemplarisch zu beleuchten. Im Fokus stehen dabei Angaben zur Qualifikation und Vergütung des mit politischer Bildung befassten Personals der befragten Einrichtungen.
Methodik der Trägerbefragung
Die TAPB wurde im Rahmen der Machbarkeitsstudie Monitor politische Bildung erstmals von Juni bis August 2024 durchgeführt. Insgesamt wurde der Fragebogen an 487 Akteure versendet, darunter 219 von der bpb anerkannte Träger sowie 262 weitere Mitglieder des bap. Sechs politische Stiftungen wurden gesondert angeschrieben, deren Daten im vorliegenden Beitrag wegen der Rücklaufquote von 50 % bei geringer Grundgesamtheit nicht berücksichtigt werden. Zusätzlich wurden die 16 Landesjugendringe gebeten, den Fragebogen an ihre Mitgliedsverbände weiterzuleiten. Die Befragung erfolgte über einen standardisierten, anonymen Online-Fragebogen (ScoSci‑Survey), der den drei Gruppen über getrennte Zugangslinks bereitgestellt wurde, um gruppenspezifische Auswertungen zu ermöglichen. Für weitere Informationen zum methodischen Vorgehen und den Rücklaufquoten siehe Hulkovych et al. 2025, S. 388. Der Fragebogen umfasste thematische Blöcke zu Organisations- und Personalstrukturen, Qualifikationen, Vergütung (orientiert am TV‑L), Finanzierung sowie zu Anzahl, Themen und Formaten der im Jahr 2022 durchgeführten Veranstaltungen zur politischen Bildung.
Die Rücklaufquote lag bei rund 42 % (201 von 487, ohne Landesjugendringe) und ist angesichts des relativ kurzfristig angekündigten Erhebungszeitraums in den Sommerferien zufriedenstellend. Insgesamt nahmen 271 Träger teil: 95 bpb‑anerkannte (56 vollständig, 39 teilweise ausgefüllt), 100 weitere bap‑Mitglieder (50 vollständig, 50 teilweise) sowie 70 Mitgliedsverbände der Landesjugendringe (29 vollständig, 41 teilweise).
Ergebnisse
(Aus-)Bildungsabschlüsse des hauptamtlich mit politscher Bildung befassten Personals
Die befragten Träger gaben an, dass in ihren Einrichtungen insgesamt 1.053 Personen hauptamtlich mit politischer Bildung befasst sind, davon 546 in Vollzeit und 507 in Teilzeit (34 % befristet, 66 % unbefristet).
Bei den von der bpb anerkannten Trägern verfügen in über 90 % der Einrichtungen sämtliche hauptamtlich Beschäftigten über ein Abitur. In knapp 80 % der Fälle wurde berichtet, dass alle Mitarbeitenden über einen Masterabschluss verfügen. Nur sehr wenige Einrichtungen berichten, dass Personen ohne Studienabschluss bei ihnen angestellt sind.
Bei den weiteren bap-Mitgliedern geben 53 % an, dass sämtliche hauptamtlich Beschäftigten über einen Masterabschluss verfügen. In ca. 10 % der Einrichtungen sind manche mit politischer Bildung befassten Angestellten auch promoviert. Zugleich sind bei 40 % der Befragten keine Mitarbeitenden mit Berufsausbildung angestellt.
Bei ca. 60 % der befragten Mitglieder der Landesjugendringe verfügt die Mehrheit der hauptamtlich Beschäftigten über einen Bachelorabschluss. Berufsausbildungen des mit politischer Bildung befassten Personals kommen häufiger vor als in den anderen Gruppen, dies trifft jedoch weiterhin meist nur auf eine Minderheit zu.
Promotionen wurden bei allen drei Gruppen insgesamt selten genannt, bei Mitgliedern der Landesjugendringe kommt dies fast gar nicht vor (vgl. Abbildung 1).

(Aus-)Bildungsabschlüsse der mit politischer Bildung befassten Honorarkräfte
Nach Einschätzung der befragten Träger sind insgesamt ca. 4.624 Honorarkräfte in diesen Einrichtungen im Bereich der politischen Bildung tätig. Im Vergleich zum hauptamtlichen Personal sind die Qualifikationshintergründe der Honorarkräfte breiter gestreut (vgl. Abbildung 2). Bei den von der bpb anerkannten Trägern, die an der Befragung teilnahmen, verfügt in ca. 50 % der Einrichtungen die Mehrheit der Honorarkräfte über einen Masterabschluss. Zugleich geben nur 13 % an, dass alle Honorarkräfte über einen Masterabschluss verfügen. Berufsausbildungen wurden häufiger genannt als bei den Hauptamtlichen, meist jedoch nur für eine Minderheit.
Bei den weiteren bap-Mitgliedern haben bei 46 % der Träger die Mehrheit der Honorarkräfte einen Bachelorabschluss. Masterabschlüsse sind seltener: Nur 17 % gaben an, dass alle Honorarkräfte über einen Masterabschluss verfügen. Berufsausbildungen wurden häufiger genannt als im hauptamtlichen Bereich, blieben aber überwiegend auf Minderheiten begrenzt.
Bei den Mitgliedern der Landesjugendringe wurden Berufsausbildungen besonders häufig als Qualifikation genannt. 24 % ordneten sie der Mehrheit ihrer Honorarkräfte zu, 68 % der Minderheit. Hochschulabschlüsse wurden ebenfalls angegeben, meist jedoch für eine Minderheit der Honorarkräfte. Promotionen kommen kaum vor.

Vergütung
Insgesamt zeigt sich in der TAPB ein im Vergleich zu anderen Bereichen (z. B. dem öffentlichen Dienst) deutlich niedrigeres Vergütungsniveau für Tätigkeiten, die überwiegend von akademisch qualifiziertem Personal ausgeübt werden.
Die Angaben zur Eingruppierung nach TVöD unterscheiden sich zwischen den Trägergruppen. Bei den von der bpb anerkannten Trägern werden durchschnittlich ca. ein Drittel des Personals nach E13 und knapp 30 % nach E11 vergütet. Die übrigen Anteile verteilen sich auf E12 und E10, während höhere Gruppen wie E14 oder darüber nur vereinzelt vorkommen.
Bei den befragten weiteren Mitgliedern des bap ergibt sich ein anderes Muster. Im Durchschnitt werden fast 50 % des Personals eines Trägers gemäß E11 vergütet und weitere 22 % nach E10. Eingruppierungen in E13 treten nur selten auf.
Bei den Mitgliedern der Landesjugendringe zeigt sich schließlich das niedrigste Vergütungsniveau im Gruppenvergleich. Die unteren Entgeltgruppen dominieren. 29 % des Personals eines Trägers werden im Durchschnitt in E10 vergütet und 26 % in E11. Besonders auffällig ist, dass auch Eingruppierungen unterhalb von E9 mit 14,5 % relativ häufig genannt werden.
Insgesamt weisen Träger mit Anerkennung durch die bpb das höchste Vergütungsniveau auf, verfügen also überwiegend über einen vergleichsweise großen Anteil an Beschäftigten in höheren Entgeltgruppen. Die weiteren befragten Mitglieder des bap bewegen sich im mittleren Segment, während die Gehälter bei Mitgliedern der Landesjugendringe eine Konzentration in den Stufen E10 und E9 aufweisen (vgl. Tabelle 1). Im Unterschied zur Darstellung für die Qualifikationen beziehen sich die Prozentangaben also nicht auf die Träger, sondern auf die Anteile der bei den jeweiligen Trägern angestellten Personen.

Diskussion & Ausblick
Die Ergebnisse der TAPB zeigen mehrere strukturelle Besonderheiten im Feld der APB. Zentrale Befunde betreffen das Verhältnis von formaler Qualifikation des mit politischer Bildung befassten Personals und dessen tariflicher Eingruppierung sowie Unterschiede zwischen den untersuchten Trägergruppen.
Übergreifend weist das mit politischer Bildung befasste Personal in allen Trägergruppen hohe formale Qualifikationsniveaus auf, wobei überwiegend Hochschulabschlüsse vorliegen. Gleichzeitig liegen die berichteten Vergütungsniveaus mehrheitlich unterhalb der Entgeltgruppe E12. Bei den von der bpb anerkannten Trägern zeigen sich etwas höhere Eingruppierungen, allerdings fehlen weiterführende Informationen zu Tätigkeitsprofilen, Verantwortungsumfängen und tariflichen Rahmenbedingungen, um diese Unterschiede differenziert zu erklären. Bei den Mitgliedern der Landesjugendringe fallen vergleichsweise niedrigere Vergütungsstufen und Qualifikationsniveaus auf, was unter anderem mit dem relativ jungen Alter der Bildner*innen zusammenhängen könnte. Diese Befunde können Ausgangspunkt für weitere, vertiefende Studien sein.
Eine wiederkehrende Befragung könnte für Akteure aus Bildungspraxis, Wissenschaft und Politik eine belastbare Datenbasis schaffen, um relevante Fragen im Feld evidenzbasiert zu diskutieren und zukunftsorientiert zu gestalten.
Die in der TAPB im Detail erfassten Studienschwerpunkte (vgl. Hulkovych et al. 2025, S. 439 f.) deuten darauf hin, dass bei einem sehr geringen Anteil der Bildner*innen auch lehramtsbezogene oder fachdidaktische Studienanteile vorliegen (vgl. auch Jugel/Lewerenz 2022). Gleichzeitig richten sich viele Angebote der Träger an Multiplikator*innen der politischen Bildung, was auf ein informelles Qualifizierungssystem durch die Träger hinweist (vgl. Hulkovych et al. 2025, S. 487 f.).
Die ausgewählten Ergebnisse unterstreichen sowohl das Potenzial als auch die Grenzen einer solchen trägerübergreifenden Datenerhebung. Diese ermöglicht einen systematischen, trägerübergreifenden Vergleich zentraler Strukturmerkmale. Gleichzeitig bleibt sie jedoch (um die Teilnahmeschwellen, gerade für kleinere Träger mit Ressourcenknappheit zu reduzieren) aufgrund der gewählten Kategorien in mehreren Bereichen grob. Eine gemeinsam mit den Trägern vorgenommene Weiterentwicklung der TAPB kann die Erhebungsinstrumente besser an die spezifischen Bedingungen und Informationsbedarfe der Träger anpassen. Solche Angaben zu Qualifikationen, Beschäftigungsverhältnissen und Vergütungslogiken, aber auch zu Finanzierungsquellen, Zielgruppen oder Angebotsformaten können dazu beitragen, die strukturellen Bedingungen der außerschulischen politischen Bildung in Deutschland künftig differenzierter und verlässlicher abzubilden. Eine wiederkehrende Befragung könnte für Akteure aus Bildungspraxis, Wissenschaft und Politik eine belastbare Datenbasis schaffen, um relevante Fragen im Feld evidenzbasiert zu diskutieren und zukunftsorientiert zu gestalten.
Zu den Autor*innen
geloneck@soz.uni-frankfurt.de
oberle@soz.uni-frankfurt.de