Außerschulische Bildung 3/2026

Was können wir Jugendlichen fair bieten?

Ansätze einer politischen Bildung zur Digitalisierung

Vier Personen stehen nebeneinander und halten jeweils ein blaues Heft mit einem roten Fisch auf weißem Netzmuster vor einem Banner des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten
Georg Pirker, Dr. Irene Poczka, Nils-Eyk Zimmermann und Katrin Hünemörder (v.li.n.re.) Foto: AdB

Am 7. Juli 2026 fand – in Kooperation mit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung – die Veranstaltung „Was können wir Jugendlichen fair bieten?“ statt. Die Frage, wie „offline“ man heute noch sein kann, hat sich aus Sicht junger Menschen zugespitzt. Die Debatte über ein „Social Media Verbot“ prägt die Diskussion zur Regulierung digitaler Räume. Was bedeutet hier „fair“ – und welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Moderiert von Georg Pirker (AdB) diskutierten Katrin Hünemörder (medialepfade.org), Nils-Eyk Zimmermann (AdB) und Dr. Irene Poczka (AGJ) über politische Eingriffsmöglichkeiten im Umgang mit Plattformen sowie deren Einfluss auf Jugendliche und Bildung.

Die von der Bundesregierung eingesetzte unabhängige Expertenkommission „Kinder und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat kürzlich Handlungsempfehlungen zum Aufwachsen in Digitalisierten Lebenswelten vorgelegt, die vielfach eine Schärfung und Ausgestaltung europäischer Digitalpolitischer Rahmen betont. Offen ist, wie Politik diese Handlungsempfehlungen aufgreift. Irene Poczka erläuterte, dass auf der europäischen Ebene viele wichtige Punkte in den Digitalen Rahmengesetzgebungen erarbeitet wurden, die jedoch nicht immer durchsetzbar sind: Einerseits definieren EU-Regulierungen die Handlungsspielräume der Mitgliedstaaten, andererseits sehen einige Länder strengere EU-Vorgaben als unzulässige Einschränkung ihrer Souveränität. Kritiker*innen wiesen darauf hin, dass die aktuell in vielen Staaten diskutierten Zugangsverbote für junge Menschen nur Symptome, nicht aber die Ursachen adressieren und kaum zur Befähigung junger Menschen beitragen. Hierfür ist europäische Regulierung bspw. durch den Digital Service Act eine Kernvoraussetzung und bietet ein starkes politisches und rechtliches Instrument.

Was brauchen junge Menschen, um kompetent mit der Digitalisierung umgehen zu können? Wie lässt sich eine politische Bildung gestalten, die strukturelle Probleme wie Plattformmacht, Information Disorder und Polarisierung angeht und den Weg zu einem faireren, freieren und rechtebewussteren Internet ebnet, anstatt daran mitzuwirken Probleme zu individualisieren?

Nils-Eyk Zimmermann betonte die Notwendigkeit von Regulierung und verwies darauf, dass 59 % der Jugendlichen davon ausgehen, gesellschaftlich relevante Nachrichten würden sie über Social Media schon erreichen – ohne selbst aktiv danach suchen zu müssen. Katrin Hünemörder sprach über den direkten Kontakt mit Jugendlichen und die Herausforderung, wo diese Unterstützung bei der Nachrichtenflut auf Social Media finden können. Welche Akteure, Bildner*innen und Lehrkräfte, können Jugendliche dabei begleiten, sich auf Social-Media-Plattformen besser zurechtzufinden?

Im Anschluss stellte der AdB sein neuestes Handbuch „Mehr als mit dem Strom schwimmen. Impulse für eine politische(re) digitale Bildung“ vor. Es ist im Rahmen des Projekts Digital Youth Work. Rights-sensitive, Open, Accessible, Democratic (DIYW-ROAD) entstanden und wird von der Europäischen Union kofinanziert. Es befasst sich mit der Metaebene politischer digitaler Bildung und gibt Impulse für eine Praxis des Innehaltens, Reflektierens und bewussten Entscheidens. Es behandelt Digitalisierung aus drei Perspektiven – Identität, Governance und Umwelt – und verbindet theoretische Grundlagen mit praxisnahen Beispielen für die Bildungsarbeit.

Das Handbuch ist in verschiedenen Sprachversionen als Download verfügbar und kann als Printversion beim AdB bestellt werden: www.adb.de/service/publikationen/weitere-veroeffentlichungen/mehr-als-mit-dem-strom-schwimmen