Geschlechterreflektierte politische Bildung 2025

Im Jahr 2025 widmete sich die AdB-Fachkommission Geschlechterreflektierte Bildung in zwei inhaltlich eng aufeinander bezogenen Arbeitstreffen der Frage, wie geschlechterreflektierte politische Bildung demokratiegefährdenden Entwicklungen begegnen und zugleich machtkritische Perspektiven stärken kann. Ausgangspunkt waren die wachsende Sichtbarkeit antifeministischer Strategien sowie die anhaltende Wirkmacht kolonialer und heteronormativer Geschlechterordnungen. Die Kommission arbeitete in diesem Jahr kontinuierlich daran, diese Entwicklungen sowohl theoretisch zu durchdringen als auch für die Bildungspraxis fruchtbar zu machen.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Analyse von Antifeminismus als politischer Ideologie und organisierter Strategie. In Fachinputs wurden die Dynamiken antifeministischer Netzwerke, insbesondere in digitalen Räumen, sichtbar gemacht. Deutlich wurde, wie rückwärtsgewandte Familienbilder, völkischer Nationalismus oder verschwörungsideologische Erzählungen über Plattformen wie YouTube und TikTok in Lifestyle-Formaten erscheinen und dadurch besonders wirksam Jugendliche erreichen. Die Kommission diskutierte, wie politische Bildung diesen Strategien mit fachlich fundierten Analysen, kritischer Medienkompetenz und empowernden pädagogischen Konzepten begegnen kann. Projekte wie „Unlearning Anti-Feminism on TikTok (ULAT)“ oder „All Genders Are Welcome“ boten konkrete Anknüpfungspunkte, um jungen Menschen souveräne Handlungsstrategien zu vermitteln und geschlechterreflektierte Strukturen in Einrichtungen weiterzuentwickeln.
Zudem rückten dekoloniale Perspektiven stärker in den Mittelpunkt. Die Kommission beschäftigte sich mit der Frage, wie koloniale Geschlechterordnungen bis in die Gegenwart hineinwirken und globale Wissens- und Machtverhältnisse prägen. In gemeinsamer Lektüre und in Diskussionen, unter anderem anhand von Texten von María Lugones, wurden historische Kontinuitäten ebenso betrachtet wie aktuelle Repressionen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. Die Auseinandersetzung mit Heteronormativität und binären Geschlechternormen führte zu intensiven Reflexionen eigener Positionierungen und institutioneller Rahmenbedingungen. Die Kommission arbeitet daran, Wege zu finden, wie politische Bildung dominante Wissensformen hinterfragen, alternative Perspektiven sichtbar machen und Räume für solidarisches Lernen eröffnen kann.
Gemeinsam war allen Arbeitsprozessen der Fokus auf intersektionale Perspektiven, kollegialen Austausch und die Entwicklung praxisnaher Ansätze. Vernetzungen wurden gestärkt, Erfahrungen aus der täglichen Bildungsarbeit geteilt und weitere Schritte vorbereitet, etwa ein geplanter Online-Workshop zum dekolonialen Feminismus. 2025 zeigte sich so als ein Jahr, in dem die Kommission zentrale demokratiepolitische Herausforderungen aus geschlechterreflektierter Sicht beleuchtete und zugleich Impulse für zukunftsorientierte Bildungsarbeit setzte.