Außerschulische Bildung 2/2025

Neues Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Chemnitz

Seit Mai 2025 ist in Chemnitz das NSU-Dokumentationszentrum „Offener Prozess“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieser neue Erinnerungs- und Lernort widmet sich der Aufarbeitung des NSU-Komplexes und seiner gesellschaftlichen Dimensionen. Das Zentrum leistet einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildungsarbeit in Sachsen und bietet Vermittlungsangebote zur Auseinandersetzung mit rechtsextremem Terror und strukturellem Rassismus.

Genese des Dokumentationszentrums

Die Errichtung des Dokumentationszentrums ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaftler*innen und der engagierten Beteiligung von Angehörigen der NSU-Opfer. Schon vor der Selbstenttarnung des sogenannten NSU im Jahr 2011 forderten die Angehörigen eine umfassende Aufklärung der Taten, die Benennung der gesellschaftlichen und institutionellen Versäumnisse sowie einen angemessenen Gedenkort für die Opfer. Dank ihrer unermüdlichen Arbeit und dem zivilgesellschaftlichen Engagement in Sachsen konnte die Errichtung eines Lern- und Erinnerungsortes Realität werden. Das Dokumentationszentrum wird von einem zivilgesellschaftlichen Zusammenschluss umgesetzt, der aus den Vereinen ASA-FF, RAA Sachsen und der Initiative Offene Gesellschaft besteht. Gefördert wird das Vorhaben von der sächsischen Landesregierung und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Die im Zentrum präsentierte Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025.

Schwerpunkte des Dokumentationszentrums

Das Herzstück des Dokumentationszentrums bildet die gleichnamige Ausstellung „Offener Prozess“. Sie beleuchtet den NSU-Komplex und die Kontiunitäten rechtsextremer Gewalt in Deutschland seit 1945. Dabei rückt sie marginalisierte Perspektiven in den Mittelpunkt und beleuchtet migrantisch geprägtes Engagement und Widerstand gegen rechte Gewalt und strukturellen Rassismus. Das Zentrum bietet außerdem vielfältige Bildungsformate: Neben Führungen und Workshops gibt es kritische Stadtführungen und digitale Bildungsangebote. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Kooperationen mit lokalen Initiativen und Bildungseinrichtungen.

Ein weiterer Bestandteil der Bildungsarbeit ist das Projekt „Frame the Unseen“, das spezifische Bildungsangebote für Polizist*innen und Verwaltung entwickelt. Ziel ist es, durch Sensibilisierung und Fortbildung die institutionellen Lehren aus dem NSU-Komplex zu stärken. Gefördert wird dieses eigenständige, im Dokumentationszentrum angesiedelte Projekt, von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Neben der Ausstellung hält das Zentrum drei weitere Module bereit: die Assembly, das Archiv und der Forschungsbereich. Die Assembly dient als Vernetzungsraum für Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt. Hier werden Austauschformate und Unterstützungsangebote ermöglicht. Das Archiv verfolgt das Konzept eines „Living Archive“ und wird gemeinsam mit Betroffenen sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen aufgebaut. Es sammelt Dokumente, persönliche Zeugnisse und Forschungsergebnisse zur Erinnerung an die Opfer des NSU-Terrors und zur Analyse rechtsextremer Strukturen in Chemnitz und Sachsen. Im Bereich Forschung wird das Zentrum als wissenschaftliche Anlaufstelle etabliert, die sich mit Kontinuitäten rechter Gewalt, institutionellem Rassismus und der gesellschaftlichen Aufarbeitung des NSU-Komplexes auseinandersetzt.

Öffnungszeiten und aktuelle Veranstaltungen finden Sie auf www.offener-prozess.de. Über folgenden QR-Code können Sie sich für den Newsletter anmelden: