Außerschulische Bildung 2/2026

Erstes Policy Lab zu Digitaler Transformation, Digitalität und Jugend mit Fachkräften der Jugendsozialarbeit

DIYW ROAD an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg

Foto: AdB

Alterssperren und Beschränkungen zu Social Media sind gerade politisch in aller Munde. Es lässt sich erwarten, dass in Deutschland im laufenden Jahr diesbezüglich konkrete Entscheidungen getroffen werden. Schutz vor Sucht und Gewalt sind dabei zentrale Aspekte. Auseinandersetzungen mit der Regulierung von Plattformen und der Stärkung junger Menschen im digitalen Raum sind jedoch in der politischen Diskussion bislang eher marginal vertretet.

Alterssperren allein reichen nicht aus. Was braucht Jugend(sozial)arbeit wirklich, um junge Menschen im digitalen Raum zu stärken? Damit setzten sich 24 angehende Jugendsozialarbeitende im Policy Lab der EH Ludwigsburg auseinander. Sie beschäftigten sich mit psychosozialer Resilienz, mit Algorithmen-Transparenz und mit verbindlichen Schutzstandards. Welche Herausforderungen sehen junge Jugendsozialarbeiter*innen unmittelbar für junge Menschen und mittelbar für sich in der Profession? Wo wird Unterstützung benötigt? Wer sind institutionelle Ansprechpartner? Welche Rolle spielen europäische Regulierungsrahmen?

Diesen Fragen ging Georg Pirker, Referent für internationale Aufgaben im AdB, am 8. April 2026 mit einer Gruppe angehender Jugendsozialarbeitet*innen von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg im Rahmen des Policy Labs Digital Youth Work aus dem gleichlautenden Erasmus+-Projekt des AdB nach. In einem mehrstufigen Prozess wurden Bedarfslagen junger Menschen erörtert, Herausforderungen an Youth Work/Jugend(sozial)arbeit entwickelt und ein Bezug zu bestehenden Regelungsinstrumenten und Umsetzungsmechanismen gesucht.

Im Policy Lab identifizierten die 24 Studierenden zentrale Handlungsfelder: Psychosoziale Resilienz gegenüber sozialem Mediendruck, Sucht und FOMO (Fear of missing out), die Stärkung digitaler Nachhaltigkeit durch Bewusstsein für CO₂-Fußabdrücke und Geräte-Lebenszyklen, die Bearbeitung struktureller Benachteiligungen wie ungleiche Zugangschancen und kommerzielle Manipulation durch Plattformen sowie die präventive Auseinandersetzung mit Zukunftsrisiken wie KI, Desinformation und Radikalisierung.

Als dringende Aufgaben wurden regelmäßige Fortbildungen zu Digitaltrends und KI, die Bereitstellung sicherer Plattformen, die Stärkung von Jugendbeteiligung in Gestaltungsprozessen, die Schaffung von Offline-Räumen sowie die Forderung nach Algorithmen-Transparenz und verbindlichen Jugendschutzstandards identifiziert. Dazu gehört auch, Regulierungsrahmen und Regulierungsinstrumente inklusive der anzusprechenden Umsetzungsstrukturen frühzeitig in der Ausbildung zu verankern.

Interessant erscheint: Junge Menschen agieren zwar oft souverän und sind in Bezug auf Digitalität durchaus problembewusst, sie werden jedoch in Bezug auf Unterstützungssysteme und Anwaltschaft für ihre Belange wenig vertreten. Auch die Jugendarbeit formuliert bestehende Notwendigkeiten der Regulierung und Unterstützung sehr präzise, jedoch besteht wenig Kenntnis bestehender Regulierungsinstrumente und Unterstützungssysteme.