Außerschulische Bildung 4/2025

Tipps und Links zum Thema „Wie einig ist Deutschland? – 35 Jahre nach der Wiedervereinigung“

Zu migrantischen Perspektiven auf die Wende und die Wiedervereinigung gibt es eine Vielzahl von Material, Büchern, Videos etc. Im Folgenden werden beispielhaft einige Quellen benannt:

  • Unter dem Titel „Mauerfall und Deutsche Einheit aus Perspektive mosambikanischer Migrantinnen und Migranten“ gewähren Paulino Miguel und Christiane Mende auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung einen Blick auf die Wende und die Wiedervereinigung aus migrantischer Perspektive. Die Aufenthalts- und Lebensbedingungen der sogenannten Vertragsarbeiter*innen verschlechterten sich mit der deutsch-deutschen Einigung massiv. Die überwiegende Mehrheit musste überstürzt in ihr Heimatland zurückkehren. Der Text beleuchtet die historischen Hintergründe ihrer Migration, die Auswirkungen des Mauerfalls und der deutschen Einheit auf ihre Situation sowie ihre Strategien, mit den radikalen Veränderungen umzugehen.
    www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/migrantische-perspektiven/322909/mauerfall-und-deutsche-einheit-aus-perspektive-mosambikanischer-migrantinnen-und-migranten
  • Die Online-Ausstellung De-Zentralbild, vorgestellt im Blog von Gegen Vergessen e. V., gewährt einen seltenen Einblick in den Alltag von Menschen mit Migrationsgeschichte in der DDR: Sie umfasst 17 Zeitzeug*innen-Gespräche, 29 Biografien, ein kurzes Expert*innen-Interview und über 550 private Fotografien.
    https://migrations-geschichten.de/de-zentralbild-eine-online-ausstellung-ueber-migrantisches-leben-in-der-ddr
    https://dezentralbild.net
  • Lydia Lierke und Massimo Perinelli haben 2020 den Band „Erinnern stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive“ herausgegeben. Das Buch möchte ausgegrenzte Perspektiven auf die deutsch-deutsche Vereinigung sichtbar machen und an die Kämpfe um Teilhabe in den 1980er Jahren, einschneidende Erlebnisse um die Wende und die Selbstbehauptung gegen den Rassismus der 1990er Jahre erinnern.
    www.rosalux.de/publikation/id/43063/erinnern-stoeren-1
  • DaMOst – Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland vernetzt und empowert (post-)migrantische und rassifizierte Communities in Ostdeutschland, indem unsichtbarmachende, diskriminierende und verdrängende Strukturen offengelegt, kritisiert und bekämpft werden. Dies geschieht durch die Schaffung von rassismuskritischen (Repräsentanz- und Bildungs-)Räumen sowie sozialer und politischer Teilhabe.
    https://www.damost.de
  • Aus einem Projekt an der Hochschule Mittweida (2020–2022) zum Thema „30 Jahre Deutsche Einheit: Migrantische Perspektiven auf den Wiedervereinigungsprozess in Ostdeutschland“ heraus ist eine Publikation zur Abschlusstagung entstanden. Das Ziel des Forschungsprojekts war es, migrantische Perspektiven und Perspektiven of Color auf den (Wieder-)Vereinigungsprozess zu beleuchten und diese im Zusammenhang mit den gesellschaftspolitischen Diskursen rund um das Thema Einheit in ihren unterschiedlichen Konjunkturen zu untersuchen und zu kontextualisieren.
    www.hs-mittweida.de/webs/30jahre-migrantisch-ostdeutsch/aktuelles
  • Lose Fäden – Ein Mixtape post*migrantischer Geschichte(n) der 90er ist eine Podcast-Serie, die anhand von Zeitzeug*innengesprächen migrantischen Stimmen Gehör verschafft: Wie organisierten sich migrantisierte Menschen und Menschen mit Rassismuserfahrung seit dem Mauerfall? Welche emanzipatorischen Projekte und Visionen haben sie auf den Straßen, in den Geflüchtetenlagern, Frauen- und Jugendclubs, in den Fabriken und Universitäten erarbeitet und wieso hören wir bis heute kaum davon? Die „Losen Fäden“ wollen Perspektiven sichtbar machen, die in den dominierenden Erzählungen marginalisiert sind.
    https://losefaeden.org
  • Solidaritätsgeschichten will Erzählungen von Menschen in Umbruchsituationen sicht- und hörbar machen, die in der bundesdeutschen Öffentlichkeit bisher nur wenig oder keine Beachtung fanden. Das Webportal will diese Geschichten sichtbar machen und damit Teil eines Umschwungs der Erinnerungskultur sein. Das Portal versammelt biografische Erzählungen aus verschiedenen Zeiträumen seit 1989/1990, die aber durch ein gemeinsames Leitmotiv vereint sind: Es geht um Geschichten von Solidarität, was sie ermöglicht, aber auch, was sie verhindert. Und es geht um Zeiten von großen gesellschaftlichen Umbrüchen.
    www.solidaritaetsgeschichten.de

Mit der Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. „Der untergegangene Staat – Alltag und Leben in der DDR“ soll die DDR-Geschichte für Schüler*innen erleb- und greifbar gemacht werden. Sie ist eine Kombination aus visuell geprägten Ausstellungselementen und einem vertiefenden Online-Angebot. Sie gibt einen Einblick in den Alltag eines Staates, der alle Lebensbereiche der Menschen beeinflusst. Die inneren und äußeren Konflikte der DDR-Bürger*innen werden anhand von typischen Lebensgeschichten sichtbar gemacht, um zu verdeutlichen, welche engen Grenzen der Staat und die ihn tragende Partei setzte – denn diese waren nicht nur Stacheldraht und Stein. Die Menschen sind mit den Alltagsgrenzen auf vielfältige Weise umgegangen. Themen wie Konsum, Schule und Berufsfindung, die Stellung der Frau und Familiengründung sowie der Umgang und Natur werden beleuchtet. Über QR-Codes, die zum Adenauer Campus führen, bietet die Ausstellung vertiefende Informationen zu einzelnen Aspekten des DDR-Alltags.

Video der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. zum Tag der Deutschen Einheit „Von der Teilung zur Einheit: DDR-Zeitzeugen berichten über Sperrgebiet, Grenze und Freiheit“: www.youtube.com/watch?v=bzlieD5weT4

Die einzige freie Volkskammerwahl am 18. März 1990 war ein Höhepunkt der Friedlichen Revolution in der DDR und ein deutliches Votum für die deutsche Einheit. Zum 35. Jahrestag dieser Wahl hat die Bundesstiftung Aufarbeitung 40 Videointerviews mit ehemaligen Abgeordneten veröffentlicht. Sie bieten einen einzigartigen Einblick in die turbulenten Monate zwischen März und Oktober 1990, in denen die Volkskammer zentrale Weichen für die Einheit stellte. Die Interviews ergänzen das Themenportal und sind dort und auf dem YouTube-Kanal der Bundesstiftung Aufarbeitung abrufbar. Die Interviews stammen aus dem Projekt „Die 10. Volkskammer – Erinnerungen an einen parlamentarischen Neubeginn“ der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl). Das Projekt wurde durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. Die vollständigen Interviews befinden sich im Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, kuratiert von der Rostocker Kulturwissenschaftlerin Clara Marz, beleuchtet anlässlich des 35. Jahrestags der Deutschen Einheit die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen in der DDR und der Bundesrepublik in den 1970er- und 80er-Jahren. Sie setzt sich kritisch mit gängigen Klischees auseinander – vom „Heimchen am Herd“ oder der „Karrierefrau“ im Westen bis zur „toughen“ Frau oder „Rabenmutter“ im Osten – und hinterfragt, wie realitätsnah solche Zuschreibungen tatsächlich waren. Die Plakatausstellung umfasst rund 20 Tafeln und wird durch QR-Codes ergänzt, die zu Videointerviews mit Expert*innen sowie zu weiteren audiovisuellen Materialien führen.

Die Beiträge im Deutschland-Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung werden in Themenschwerpunkten gebündelt und fortlaufend um neue Artikel erweitert. Themen sind u. a. Jüdinnen und Juden in der DDR, das Wirken der Treuhand, Frauen in der DDR, Transformation und Einheit oder Außensichten auf die deutsche Einheit. Aktuelle Schwerpunkte sind: 1989/90 – Friedliche Revolution und Deutsche Einheit: Texte zu den Ereignissen des Herbstes 1989 und den langfristigen Transformationsprozessen in Ost und West; Erinnern, Gedenken und Aufarbeitung: Beiträge zur Geschichte und Praxis des Erinnerns an Kriegs und Systemopfer sowie zur Aufarbeitung politischer Unrechtsverhältnisse; Alltag, Gesellschaft und Demokratie: Analysen, wie Politik und Gesellschaft im Alltag durch die deutsch-deutsche Systemkonkurrenz geprägt wurden – sowohl in der Vergangenheit als auch heute. Im Archiv findet sich auch eine sportpolitische Afrika-Serie. Im Fokus der Serie steht u. a. der Sport als außenpolitisches Element der Afrika-Politik der DDR, verfasst von Dr. Daniel Lange. Grundlage war seine Dissertation zum Thema „Turnschuhdiplomatie“, die im wissenschaftlichen Promotionsprogramm der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur entstanden ist.

Geschichte lebendig machen – das ermöglicht die digitale Fotodatenbank der Bundesstiftung Aufarbeitung. Das Angebot umfasst (derzeit) 65.000 Aufnahmen aus fünf Fotobeständen. Die Bilder zeigen politische Ereignisse, den Alltag der DDR, Protestbewegungen und die Friedliche Revolution. Man kann stöbern, recherchieren und die Bilder für nichtkommerzielle Zwecke kostenlos nutzen.

Aktuell erschienen ist das Buch „Die neue Mauer. Ein Gespräch über den Osten“ – ein Gespräch zwischen Ilko-Sascha Kowalczuk und Boto Ramelow, dem Historiker aus dem Osten und dem Linken-Politiker aus dem Westen. In dem Gespräch geht es um Stimmungen und Befindlichkeiten, um Verständnisprobleme zwischen West und Ost, um Versäumnisse bei der Vereinigung. Bei aller Unterschiedlichkeit und den Differenzen in der Interpretation von Ereignissen gelingt ein offenes, wertschätzendes Gespräch, das wichtige, erhellende Einblicke bietet. Das Buch ist 2025 bei C.H. Beck erschienen.

Im August 2025 ist der von Jürgen Danyel/Holger Herschel herausgegebene Band „Vergessene Zukunft. Bilder vom ostdeutschen Umbruch“ im Ch. Links Verlag erschienen. In zwölf Fotoserien des Berliner Künstlers Holger Herschel aus unterschiedlichen Phasen des Umbruchs nach 1989/90 und mit ergänzenden Texten bekannter Publizisten werden die Betrachter*innen in die Zeit der Transformation der 1990er Jahre in Ostdeutschland zurückgeführt. Die zwölf fotografischen Serien sind als eine Art visuelle Archäologie zu verstehen – so die Verlangsankündigung. Im Dialog mit den Bildern entwickeln die Autor*innen der Essays jeweils einen eigenen Blick auf die Transformationszeit. Sie führen uns an Schauplätze, die im Umbau begriffen sind, zeigen Menschen zwischen alten und neuen Gewissheiten und beleuchten Interieurs einer sich wandelnden materiellen Kultur. Diese Vielstimmigkeit kann dazu beitragen, die festgefahrenen Deutungen des zu oft als „Problemfall“ missverstandenen Ostens aufzubrechen.

Das Jahrbuch Deutsche Einheit 2025 mit dem Titel „Stadt oder Land – die neue Ost-West-Frage?“ ist im September 2025 im Ch. Links Verlag erschienen und wurde von Marcus Böick, Constantin Goschler und Ralph Jessen herausgegeben. Fünfunddreißig Jahre nach der deutschen Einheit zeigt sich, dass die Gesellschaft nicht mehr allein entlang der Ost-West-Achse beschrieben werden kann. Politische Präferenzen, Lebensstile und Mobilitätsmuster prägen sich zunehmend im Gegensatz von Stadt und Land aus. Das Jahrbuch wirft einen differenzierten Blick auf diese Entwicklungen und thematisiert unter anderem Museumsarbeit in der von Neonazis bedrängten Provinz, demografische Veränderungen sowie Verschiebungen im Wahlverhalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Stadt-Land-Gegensatz heute prägender ist als die alte Ost-West-Spaltung.

Zum 35. Jahrestag der Deutschen Einheit zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung ein zwiespältiges Bild. Nur 35 % der Deutschen meinen, Ost und West seien „weitgehend zusammengewachsen“ – ähnlich wenig wie Anfang der 2000er-Jahre. Im Osten stimmen dem nur 23 % zu, im Westen 37 %. Auffällig ist der Generationsunterschied: Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen empfindet das Land als zusammengewachsen, bei den über 60-Jährigen sind es nur 25 %. Zugleich herrscht breiter Konsens, dass die Auseinandersetzung mit DDR, Teilung und Entwicklungen seit 1990 unverzichtbar bleibt. Besonders die Jüngeren (95 %) halten Aufarbeitung für wichtig, ebenso große Mehrheiten quer durch die Parteien. Noch deutlicher wird die Zustimmung, wenn Erinnerungskultur auch die Zeit nach 1990 umfasst. Die Ergebnisse verdeutlichen: Erinnerung gewinnt an Bedeutung, wenn das Empfinden der Einheit nachlässt. Sie ist Zukunftsaufgabe und Integrationsprojekt, das Zusammenhalt stiftet.