Außerschulische Bildung 3/2025

Fokusgruppen-Analyse: Wer sind die neuen AfD-Wähler*innen?

Der Thinktank Rechtsextremismus (TTRex) von Campact sowie Das Progressive Zentrum haben in einer Fokusgruppen-Analyse zur politischen Meinungsbildung gefragt, warum junge Menschen bei der Bundestagswahl 2025 erstmalig AfD gewählt haben. Ein Ergebnis ist, dass diese jungen Wähler*innen den Zustand des Landes als durch und durch negativ wahrnehmen. Sie sind enttäuscht von den Politiker*innen und den demokratischen Parteien und begründen dies damit, dass die Politik in ihren Augen in zentralen Bereichen hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben ist. Sie monieren gebrochene (Wahl-)Versprechen und fehlende Problemlösekompetenz.

Bei den Befragten überwiegt der Eindruck, die demokratischen Parteien hätten versagt – insbesondere bei den Themen Migration und innere Sicherheit. Die Analyse zeigt, wie eng die beiden Themen in den Diskursen junger Wähler*innen verwoben sind und wie gut die Strategie der AfD bei ihnen verfängt, diese als zentrale Themen zu platzieren und zugleich den demokratischen Parteien hier die Problemlösungskompetenz abzusprechen. Darüber hinaus fühlen sich die neuen jungen AfD-Wähler*innen stark verunsichert und empfinden die Zukunft Deutschlands wie auch ihre persönliche als ungewiss. Ihr Blick auf die Demokratie ist geprägt von einem Missverständnis: Wer gewählt wird, müsse „liefern“ – und zwar gleich.

Entscheidend war für viele Befragte das Thema Migration – ein Bereich, in dem der AfD von dieser Wählergruppe die größte Fähigkeit zugeschrieben wird, Veränderungen in ihrem Sinne herbeizuführen. Während andere Themen, wie beispielsweise Rente, Steuern, aber auch das gesellschaftliche Klima, die Befragten wesentlich mehr im persönlichen Alltag beschäftigt, haben sie diese bei ihrer Wahlentscheidung zurückgestellt. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch die gesamte Analyse: Die restriktive Perspektive der Befragten auf die Themen Migration und Asyl steht zum Teil in starkem Kontrast zu sonst teilweise eher progressiven Positionen in Bereichen wie Klima- und Energiepolitik oder Frauenrechten, vor allem dem Abtreibungsrecht. Auf diesen Feldern wird die AfD als weniger kompetent wahrgenommen, Positionen der rechtsextremen Partei werden teilweise sogar ausdrücklich abgelehnt und zurückgewiesen. Hier gäbe es für demokratische Parteien durchaus die Chance, junge Wähler*innen zu erreichen, so die Analyse – sofern sie gerade nicht auf Migration als Mobilisierungsthema setzen. Die meisten Befragten scheinen grundlegend einen eher konservativen Lebensentwurf zu haben, wären also gerade auch für die Unionsparteien erreichbar – doch selbst den Grünen wird in manchen Bereichen politische Kompetenz zugeschrieben. Auffällig ist auch: Die jungen AfD-Neu-Wähler*innen lehnen Extremismus zwar ab, können aber kaum definieren, wo demokratische Positionen enden und extremistische beginnen. Rechtsextremismus in der AfD gilt für sie als Einzelfall.

Ein Ansatzpunkt für demokratische Parteien könnte sein, dass junge AfD-Neuwähler*innen noch bereit sind, bei der nächsten Wahl anders zu entscheiden – wenn sie sich gesehen und mit ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und guten Zukunftsperspektiven ernst genommen fühlen. Sie honorieren klare, verlässliche Haltungen, wünschen sich schnelle Kommunikation, hohe Responsivität, Bürgernähe und Pragmatismus in der Sache.

Quelle, weitere Informationen und Download der Analyse: www.progressives-zentrum.org/publication/wer-sind-die-neuen-afd-waehler