Sport und politische Bildung im Kontext internationaler Jugendbegegnungen
Außerschulische Jugendbildung und ihre Bedingungen
Das Jugendbildungszentrum Blossin e. V. nutzt vor allem erlebnispädagogische und bewegte Methoden, um naturnahes Lernen mit jungen Menschen während außerschulischer Bildungsprojekte erlebbar zu machen. Bewegung und „das Draußen“ bilden dafür die Grundlage gelingenden und bestenfalls nachhaltigen Lernens. Die Bildungsstätte der Brandenburgischen Sportjugend liegt im Südosten von Berlin in der Gemeinde Heidesee direkt am Wolziger See und verfügt über zahlreiche Möglichkeiten der Projektdurchführung- und gestaltung. So gibt es Seminarräume unterschiedlicher Größe und mit einem schwimmenden Seminarraum einen spektakulären Lernort auf dem Wasser. Zusätzlich existieren eine Sport- und Konferenzhalle, die Funsporthalle, die Forscherwelt für die (früh-)kindliche Bildung und der Future InCKubator für digitale Lernmethoden. Das weitläufige Gelände hat drei Sportplätze, verschiedene Kletteranlagen und weitere erlebnispädagogische Kooperationselemente.
Im Sommer gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 300 Personen. Die Unterbringungskategorien reichen von Gruppenzelten über gemütliche Holzhäuser bis hin zum Gästehaus mit Zwei- und Dreibettzimmern und last but not least komfortable Einzelzimmer auf dem sogenannten Weißen Berg. Eine Mensa bietet abwechslungsreiche Vollverpflegung, in der die Speisen immer in Büfettform angeboten werden.
Sport und Politik, zwei Seiten der gleichen Medaille
In Deutschland bildet politisches Handeln die Rahmung für den Sport im Allgemeinen und gleichzeitig finden in tausenden Sportvereinen neben der aktiven körperlichen, sportlichen Betätigung die Pflege sozialer Kontakte statt. Außerdem wird ein Großteil des gesellschaftlichen Zusammenhaltes dort „produziert“. Und selbstverständlich finden politische Diskussionen statt, bei denen Argumente ausgetauscht werden und die Regeln des Fairplay zum Einsatz kommen oder auch überschritten werden. Denn Fairplay ist mehr als das strikte Einhalten von Wettkampfregeln, wie später noch herausgearbeitet wird.
Wie wichtig Sport ist, lässt sich darüber hinaus daran ablesen, dass es in den Landesportbünden Projekte gab oder gibt, die mit den Sportvereinen wichtige Integrationsarbeit von z. B. geflüchteten Menschen leisten. Für diese Tätigkeit muss es den politischen Willen geben, damit die handelnden Personen eine gesetzliche Legitimation haben. Es gibt also eine Wechselwirkung von Sport und Politik, die sich auch in die Jugendbildungsarbeit fortpflanzt oder dort als Thema Raum greift. Und genau dort treten die Bildungsstätten mit ihren Angeboten der außerschulischen Jugendbildung auf die Bildfläche, im Jugendbildungszentrum Blossin e. V. besonders mit den bewegungsorientierten Methoden.
Fairplay als gesellschaftliches Gut
Wenn wir uns der Begrifflichkeit des Fairplay zuwenden und nach einer Definition suchen, stellen wir als erstes fest, dass die Schreibweise bereits nicht klar zu sein scheint. Fairplay oder Fair Play? Der Duden lässt beides zu.
Viele (Sport-)Verbände haben für sich eine eigene Definition des Begriffes Fairplay gefunden. Auch das Jugendbildungszentrum Blossin e. V. fragt sich immer wieder: Was bedeutet Fairplay oder fairer Umgang miteinander?

Wikipedia meint dazu: „Fairplay; englisch fair, ‚ehrlich, anständig, redlich‘ und englisch play, ‚Spiel, Sport‘; deutsch ‚ehrliches, ordentliches Spiel‘) ist der Anglizismus für einen Verhaltenskodex hauptsächlich im Sport, wonach sich Sportlerinnen und Sportler im Wettkampf über die Regeln hinaus gegenüber dem Gegner mit Achtung und Respekt zu verhalten haben, dessen Würde achten und dessen körperliche und psychische Unversehrtheit wahren sollen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Fair_Play) Zugriff auf diesen und alle weiteren in diesem Beitrag genannten Links: 22.01.2025 Das erscheint aber nicht wirklich ausreichend. Im Duden werden als Synonyme Fairness, Anstand, Anständigkeit, Aufrichtigkeit benannt.
Fairplay eine ethische Grundhaltung im Sport, die mehr als die bloße Einhaltung von Regeln impliziert und Verhaltensweisen wie Selbstkontrolle, Achtung des Gegners und Chancengleichheit zusammenfasst.
Die Definition, die aus Sicht des Jugendbildungszentrum Blossin e. V. am besten beschreibt, was unter Fairplay zu verstehen ist, war auf den Seiten des Lexikons sportwissenschaftlicher Begriffe (https://spolex.de/lexikon/fair-play) zu finden. Der Fairplay-Begriff wird wie folgt beschrieben: „Fair Play ist ein vielschichtiger Begriff, der im sportlichen Kontext Verhaltensweisen wie Selbstkontrolle, Achtung des Gegners, Chancengleichheit, Einhaltung der Regeln, Ehrlichkeit, Ritterlichkeit, Anständigkeit, Sauberkeit und Kameradschaftlichkeit umfasst.“ Bemerkenswert ist dabei, dass dort in formelles und informelles Fairplay unterschieden wird:
„Formelles Fair Play bezieht sich auf die strikte Einhaltung der Wettkampfregeln und die Achtung der Wettkampfbestimmungen. Informelles Fair Play geht über die bloße Regelbefolgung hinaus und umfasst die ethische Grundhaltung des Miteinanders im sportlichen Wettkampf, wie den Verzicht auf zufällige Vorteile und gegenseitige Achtung. Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass Fair Play nicht nur die Befolgung von Regeln bedeutet, sondern auch eine innere Haltung erfordert, die auf Respekt und Integrität basiert. Historisch gesehen erhielt der Fair-Play-Gedanke seine inhaltliche Ausformung als moralische Grundhaltung einer sozialen Schicht, die den Sport als Selbstzweckbetrieb und in Verbindung mit der Wettleidenschaft die Chancengleichheit und das Handicap einführte sowie entsprechende Festlegungen zur Herstellung bzw. Einhaltung schuf.“
Zusammenfassend ist Fairplay eine ethische Grundhaltung im Sport, die mehr als die bloße Einhaltung von Regeln impliziert und Verhaltensweisen wie Selbstkontrolle, Achtung des Gegners und Chancengleichheit zusammenfasst.
In den Projekten des Jugendbildungszentrums finden sich je nach inhaltlichem Schwerpunkt immer beide Formen von Fairplay wieder. In allgemeinen Bildungssettings, bei denen eher Bewegung und weniger Sport eine Rolle spielt, handelt es sich vor allem um informelles Fairplay.
Internationale Jugendbegegnungen und Sport
Bei internationalen Projekten stehen die eingangs beschriebenen Ressourcen der Bildungsstätte für die inhaltliche Durchführung zur Verfügung, damit die Teilnehmenden ideale Rahmenbedingungen vorfinden, um die jeweiligen Ziele erreichen zu können. Die Projekte sind meist 6–9 Tage lang und die Teilnehmendenzahl liegt bei 20–70 Personen. Das Altersspektrum der Teilnehmenden liegt in der Regel bei 12–19 Jahren.
Die beste Hardware nütze jedoch nichts, wenn es an Menschen fehlt, die sie zu nutzen wissen. Und Bildungsarbeit ist die Tätigkeit von Mensch zu Mensch. Deshalb ist das Bildungsteam, das aus Pädagog*innen, BWLer*innen, Veranstaltungskaufleuten, Freiwilligen und externen Referierenden besteht, die Keimzelle einer gelingenden Bildungsarbeit am Standort Blossin. Sie konzipieren die Inhalte mit den Partner*innen unter Beteiligung der jungen Menschen, den Teilnehmenden. So entsteht ein roter Faden, der sich durch alle Projekte der Kinder- und Jugendbildung, der Medienbildung, des sozialen Lernens, der Berufsorientierung und der internationalen Jugendbegegnungsarbeit zieht.

Im Rahmen von internationalen Maßnahmen, die vom Bildungsteam Blossin in der Bildungsstätte konzipiert, organisiert und durchgeführt werden, spielen ebenfalls bewegungsorientierte Methoden auf dem Wasser und im Wald als verbindendes Element der pädagogischen Arbeit eine tragende Rolle.
Jungen Menschen soll das Rüstzeug an die Hand gegeben werden, um selbstbewusst eigenständig und altersgerecht Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört es auch, Grenzbereiche auszuloten.
Diese beschreibende Rahmung ist dann auch der Anknüpfungspunkt für die Auseinandersetzung mit den Begriffen Sport, Fairplay und politische Bildung. Wobei das Team des Jugendbildungszentrums eher den Fokus auf ein demokratisches Miteinander, auf die Wichtigkeit von Aushandlungsprozessen innerhalb von Beteiligungsformaten bei den Projekten in der Bildungsstätte legt, um junge Menschen zu qualifizieren und sie zu empowern. Jungen Menschen soll das Rüstzeug an die Hand gegeben werden, um selbstbewusst eigenständig und altersgerecht Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört es auch, Grenzbereiche auszuloten. Und genau in diesen Grenzbereichen entstehen die moralischen Fragen eines fairen Umgangs miteinander. Kinder und Jugendliche haben ein sehr feines Gespür für faire Verhaltensweisen. Oft reklamieren vor allem Kinder, wenn sie unfaires Verhalten beobachten, weil Erwachsene bspw. gemeinsam erarbeitete Gruppenregeln unterschiedlich auslegen und dadurch eine nicht gleichförmige Behandlung eines jeden Individuums der Gruppe stattfindet. UNFAIR heißt es dann schnell. Das wiederum bildet eine gute Grundlage um über Regeln in der moralischen Interpretation mit der Gruppe, mit der Klasse, mit den Vereinsmitgliedern zu diskutieren und herauszuarbeiten, was Fairplay ist und was nicht.
Während interkultureller Begegnungen spielen weitere Faktoren eine Rolle. Das Jugendbildungszentrum versteht internationale Projekte als Demokratielabore innerhalb derer die Teilnehmenden interkulturelle Erfahrungen sammeln, initiiert durch Bewegungspädagogik. Die Teilnehmenden machen Selbstwirksamkeitserfahrungen und erhalten durch die Referent*innen moderierte Rückmeldungen auf ihr Tun und Handeln in der Peergroup.
Innerhalb der Projekte spielt Fairplay also eine wichtige Rolle. Dabei werden aktuelle Situationen aus der Begegnung genutzt und zum Teil bekannte Verhaltensweisen aus dem Sport gegenübergestellt. Als Beispielfragen dienen folgende:
- Inwieweit bin ich bereit, meine Interessen zurückzustellen?
- Kann ich in kontroversen Situationen emphatisch sein und eine faire Lösung für beide Seite forcieren und akzeptieren?
- Bin ich bereit, möglicherweise einen dadurch entstehenden gefühlten oder tatsächlichen Nachteil für mich persönlich oder für meine Gruppe, mein Team in Kauf zu nehmen?
Theorie – Praxis – Reflexion – Transfer
Die Kolleg*innen versuchen in den Projekten – besonders in Situationen, die drohen zu eskalieren – an den positiven Erfahrungen und Erlebnissen der Teilnehmenden anzudocken, sie also z. B. daran zu erinnern, wie sehr sie sich in der Hochseilanlage, der Kletterwand, bei der Kanutour, beim Floßbauprojekt oder im Future InCKubator auf andere verlassen mussten, ja von ihnen abhängig waren. Und dann merken die Jugendlichen schnell, dass sie selbst vor nicht allzu langer Zeit darauf angewiesen waren, dass andere rücksichtsvoll mit ihnen waren oder mehr Geduld aufgebracht haben, dass sie ihre eigenen Interessen zum Wohle einer anderen Person zurückgestellt haben und kompromissbereit waren. Das Schließen von Kompromissen ist ein hohes gesellschaftliches Gut und zeichnet demokratische Gesellschaften aus. Das bedingt, dass es auf beiden Seiten Akteure gibt, die in der Lage sind, Kompromisse zu schließen und nicht auf Maximalforderungen beharren. Diese Fähigkeiten, die ein ganzes Leben anwendbar sind und eine wichtige soziale Kompetenz darstellen, sollen in den Projekten und Begegnungen gefördert werden. Denn im späteren Leben werden die Teilnehmenden, egal in welchen Tätigkeitsfeldern sie aktiv sein werden, immer aus diesen Erkenntnissen schöpfen können.
Die Bildungsstätte hat neben den erlebnispädagogischen Methoden innerhalb des Sports vor allem Ultimate Frisbee für sich entdeckt. Ultimate Frisbee ist eine Wettkampf- und Teamsportart, die analog zu allen bekannten Teamsportarten, in denen meist ein Ball als Spielgerät fungiert, funktioniert. Mit einem entscheidenden Unterschied: Es gibt keine Schiedsrichter*innen. Kontroversen müssen von den Beteiligten selbst geklärt und auf dem Spielfeld lösungsorientiert innerhalb kürzester Zeit bearbeitet werden, denn das Spiel muss ja weitergehen. Beim Ultimate Frisbee spricht man dann vom Spirit of the Game.
Der Spirit of the Game, ist ein zentraler Grundsatz des Frisbeesports. Er betont Fairplay, Respekt und Selbstverantwortung, wodurch das Spiel einzigartig wird. Die Kernaspekte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Fairness und Integrität: Die Spielenden sind dazu verpflichtet, ehrlich zu sein, Regeln einzuhalten und die Integrität des Spiels zu wahren.
- Respekt: Respekt gegenüber Teammates, gegnerischen Personen und dem Spiel selbst ist essenziell. Dies schließt ein, niemanden absichtlich zu behindern oder unsportliches Verhalten zu zeigen.
- Selbstregulation: Da es keine Referees gibt, klären die Spielenden Regelverstöße eigenständig. Dies erfordert eine klare Kommunikation und ein faires Miteinander.
- Wettbewerb mit Rücksicht: Der Wunsch zu gewinnen ist legitim, darf jedoch nicht auf Kosten des respektvollen Umgangs oder der Spielregeln gehen.
- Freude am Spiel: Der Spaß und die Leidenschaft für das Spiel stehen im Vordergrund. Dies fördert eine positive Atmosphäre, unabhängig vom Ergebnis.
Beispiele für den Spirit of the Game sind:
- Eine Spieler*in meldet einen eigenen Regelverstoß.
- Konflikte werden in Ruhe und mit gegenseitigem Verständnis besprochen, anstatt sich aufzuregen.
- Nach einem Spiel danken sich die Teams gegenseitig, unabhängig vom Ergebnis, oft durch eine „Spirit-Circle“-Zeremonie bei der die Spielenden beider Teams gemischt in einem Kreis stehen.
Der Spirit of the Game macht Ultimate Frisbee nicht nur zu einem sportlichen Wettkampf, sondern auch zu einem sozialen Erlebnis, bei dem Werte wie Respekt, Gemeinschaft und Fairness aktiv gelebt werden (www.frisbeesportverband.de/wp-content/uploads/2020/01/SOTG-Ultimate_Flyer_Juni2019.pdf).
Diese Herangehensweise unterscheidet sich fundamental von der anderer Sportarten, die sich oft erst im zweiten Schritt innerhalb eines sozialpädagogischen Lernsettings dem Thema Fairness und Respekt zugewandt haben. Zu nennen wäre da bspw. die Methode Straßenfußball, dessen Ursprung in den Armutsvierteln Kolumbiens liegt und bei der faires Verhalten mit Zusatzpunkten belohnt wird. Oder auch die Streetballbewegung der 1990er und 2000er Jahre. Bei beiden Methoden spielen die Themen Fairness und Respekt eine wesentlich größere Rolle, als beim gewöhnlichen Fußball- oder Basketballspiel. Die Fairnessregeln werden also nur ganz rudimentär oder gar nicht im gewöhnlichen Wettkampfbetrieb der exemplarisch gewählten Sportarten angewandt. Das ist beim Ultimate Frisbee anders.

Da also sowohl beim Fußball als auch beim Basketball der Wettkampf und das Einhalten der Regeln im Mittelpunkt stehen, werden Regelverstöße „juristisch“ durch die Schiedsrichter*innen gelöst. Dadurch versuchen die beteiligten Wettkämpfer*innen, ihren Regelbereich größtmöglich auszudehnen und einen Vorteil zu erlangen, der nicht auf ihre sportliche Kompetenz zurückgeht. So werden häufig die Regeln des Fairplay verletzt, denn Schuld ist im Zweifel nicht die Person, die (bewusst) einen Regelverstoß begangen hat, sondern die Person, die das falsch (oder auch richtig) bewertet hat. Das ist beim Ultimate Frisbee nicht der Fall, denn die beiden Personen, die an einer Kontroverse beteiligt sind, müssen eine bilaterale Lösung finden und können keine Schuld auslagern. Das heißt, sie müssen ggf. ein begangenes Foul zugeben oder das Spielgerät (Frisbee) geht zurück auf die vorherige Situation. Eine Tatsache, die im gewöhnlichen (Hoch-)Leistungsteamsport eher ungewöhnlich ist.
Die Methode Ultimate Frisbee eignet sich für nahezu alle Projekte der außerschulischen Jugendbildung und sie wird in Blossin auch schon seit ca. 15 Jahren eingesetzt. Gerade bei internationalen Projekten bietet sie sich auch deshalb an, weil es eine bekannte Sportart ist, die fast alle schon einmal ausgeübt, mindestens aber gesehen haben. Sie fördert Koordination, Kommunikation, Toleranz und kann auch mit wenigen Ressourcen gespielt werden. Aufwendige Materialien oder Räumlichkeiten sind nicht nötig. Ultimate Frisbee kann also auch an Orten gespielt werden, die keine Sportplätze und Hallen haben, wie sie in der Bildungsstätte existieren.
Internationale Jugendbegegnungen und Demokratiebildung
Politische Bildung in internationalen Jugendbegegnungen zielt darauf ab, ein Bewusstsein für größere Zusammenhänge, soziale Verantwortung und partizipative Prozesse zu schaffen. Themen wie Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, Migration oder Demokratiebildung sind somit Teil der internationalen Programme. Junge Menschen werden mit vielfältigen Inhalten zu kritischem Denken angeregt, werden ermuntert, eigene Privilegien zu hinterfragen und sich aktiv an der Gestaltung ihrer direkten Umgebung zu beteiligen. Ziele von politischer Bildung sind mit dem Vermitteln von Kompetenzen, dem reflektierten, selbstverantwortlichen Handeln sowie dem Mitgestalten der Prozesse bereits gut beschrieben worden. Sie fördert darüber hinaus auch das Verständnis für demokratische Werte und politische Institutionen. Politische Bildung soll dabei unparteiisch, aber nicht wertfrei sein und Toleranz einerseits, sowie Konfliktfähigkeit andererseits fördern.
Politische Bildung in internationalen Jugendbegegnungen zielt darauf ab, ein Bewusstsein für größere Zusammenhänge, soziale Verantwortung und partizipative Prozesse zu schaffen. Themen wie Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, Migration oder Demokratiebildung sind somit Teil der internationalen Programme.
Die Verknüpfung von Sport und politischer Bildung gestaltet sich nicht immer konfliktfrei. Sport wird häufig als unpolitisch wahrgenommen und vor allem mit Freizeitgestaltung oder Wettbewerbsformaten assoziiert. Im Gegensatz dazu erfordert politische Bildung eine tiefere Auseinandersetzung und oft auch die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten. Dies birgt ein Spannungsfeld mit unterschiedlichen Herausforderungen.
Die hier beschriebenen Ansätze helfen, das Potenzial von Sport und politischer Bildung in internationalen Jugendbegegnungen bestmöglich auszuschöpfen. Übungen, die auf Zusammenarbeit statt auf Wettbewerb setzen, eignen sich hervorragend, um Themen wie Solidarität und Chancengleichheit zu thematisieren. Durch eine anschließende Reflexion können die gemachten Erfahrungen mit anderen Fragestellungen aus der Lebenswelt der Teilnehmenden verbunden werden.
Turniere können mit (politischen) Themen verknüpft werden, z. B. durch Teamnamen, die für Menschenrechtsfragen sensibilisieren, oder durch Spendenaktionen für soziale Projekte. Oder es werden Methoden wie beim Straßenfußball oder beim Ultimate Frisbee angewandt. Spezielle Workshops können den Wert von Fairplay im Sport analysieren und auf gesellschaftliche Kontexte übertragen.
Die Verbindung von Sport und politischer Bildung in internationalen Jugendbegegnungen stellt eine komplexe Herausforderung dar. Eine zentrale Schwierigkeit besteht darin, politische Bildung nicht auf symbolische Gesten zu beschränken, die keine nachhaltigen Ergebnisse erzielen. Zudem gehen die Erwartungen der Teilnehmenden oft auseinander: Während einige den Fokus auf sportliche Aktivitäten legen, suchen andere gezielt nach intellektuellen Impulsen. Trotz dieser Hindernisse bietet die Kombination von Sport und politischer Bildung erhebliche Potenziale. Sport schafft eine emotionale Basis, die als Fundament für tiefgreifende Bildungsprozesse dienen kann. Neben der Förderung von Teamgeist unterstützt er auch das Verständnis für die grundlegenden Werte einer demokratischen und inklusiven Gesellschaft, in der Fairplay eine zentrale Bedeutung einnimmt.
Das Zusammenspiel von Sport, Fairplay und politischer Bildung in internationalen Jugendbegegnungen verlangt eine bewusste Gestaltung und ein fundiertes Verständnis der jeweiligen Zusammenhänge. Diese beiden Ziele können sich gegenseitig stärken, wenn sie sorgfältig miteinander verknüpft werden. Während Sport als niederschwelliger Zugang dient, um junge Menschen zu erreichen, vermittelt politische Bildung ihnen die Kompetenzen, aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Gemeinsam fördern sie eine Kultur, die Vielfalt, Respekt und Solidarität wertschätzt.
Zu den Autor*innen

f.kruspe@blossin.de
m.levier@blossin.de