Außerschulische Bildung 3-2024

Neue Arbeitshilfe zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Wie kann KI im Alltag von Bildungsträgern und in der Bildungsarbeit sicher genutzt werden?

Der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB) hat eine neue Arbeitshilfe veröffentlicht, die die Akteur*innen in der politischen Bildung dabei unterstützt, den Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz bewusst(er) anzugehen. Die Arbeitshilfe zeigt Rahmenbedingungen auf und stellt detaillierte Checklisten für den Alltagseinsatz von KI bei Bildungsträgern zur Verfügung. von Tim Schrock

Künstliche Intelligenz bahnte sich anfangs eher unauffällig den Weg in unseren Alltag: Kleinere Bildretusche-Funktionen in Smartphones sind schon einige Jahre bekannt. Um den Jahreswechsel 2022/2023 überraschten KI-Anwendungen wie ChatGPT die breite Öffentlichkeit: Digitale Werkzeuge mit bisher völlig unbekannten Fähigkeiten waren plötzlich für die Allgemeinheit verfügbar.

Im täglichen Umgang haben sich KI-Systeme vor allem in Bereichen ausgebreitet, die bisher als besonders menschliche Kompetenz galten: in Kreativprozessen mit Bild und Ton und beim Umgang mit Sprache.

Die neuen Möglichkeiten, die sich durch generative KI auftun, können schnell begeistern. Sie bringen allerdings auch Unsicherheiten bezüglich Vertraulichkeit, Verlässlichkeit und Objektivität. Aus Sicht der Anwender*innen meist unbeabsichtigt und unbewusst fließen persönliche Daten und Verhaltensweisen in große KI-Systeme ein. Profilbildung und persönlich maßgeschneiderte Ansprache durch KI-Systeme bergen kaum überschaubare Risiken. KI-generierte Erzeugnisse sind von realen Fotografien oder Videoaufnahmen kaum mehr zu unterscheiden und bieten so Möglichkeiten von Täuschungskampagnen in großem Stil.

Die rasanten Entwicklungen in der digitalen Welt ziehen Unsicherheiten bezüglich Vertraulichkeit, Verlässlichkeit und Objektivität nach sich. Foto: AdB

Während bilderkennende und -interpretierende Verfahren einerseits die medizinische Analyse unterstützen oder helfen Straftäter*innen zu überführen, ist andererseits der Weg zu vorausschauender Polizeiarbeit und möglichen Vorverurteilungen nicht weit. Sicher diskriminierungsfrei sind menschengemachte Algorithmen allemal nicht. Gesellschaftliche Folgen könnten gewaltig sein.

„Künstliche Intelligenz“ ist also ein wichtiges Thema für die politische Bildung. Dabei stehen Fachkräfte vor der Herausforderung, selbst erst einmal die neuen Werkzeuge kennenzulernen und die derzeit rasante Entwicklung zumindest in groben Umrissen mitzuverfolgen. Der AdB bietet deswegen regelmäßig Fortbildungen für politische Bildner*innen an. Ergänzend dazu wurde nun eine Arbeitshilfe zum KI-Einsatz in der Büroorganisation und der Bildungsarbeit veröffentlicht.

Diese Arbeitshilfe ist sowohl online als auch ab Herbst 2024 in gedruckter Version verfügbar und möchte Akteur*innen in der politischen Bildung dabei unterstützen, den Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz bewusst(er) anzugehen. Im ersten Teil der Arbeitshilfe werden Rahmenbedingungen wie rechtliche Aspekte vorgestellt, der zweite Teil beinhaltet eine detaillierte Checkliste für den Alltagseinsatz von KI bei Bildungsträgern und in den Einrichtungen politischer Bildung.

Wem „gehören“ KI-generierte Inhalte und wer ist dafür verantwortlich?

Häufig werden mit Hilfe von KI Inhalte generiert, um sie in Online- oder Offline-Veröffentlichungen zu verwenden. Während die Urheberrechtsfrage auf den ersten Blick schnell zu beantworten scheint – computer-generierte Werke erhalten keine Schutzrechte –, sind Fragen nach Urheberschaft der Trainingsdaten und die Verantwortlichkeiten für Erzeugnisse deutlich schwieriger zu beantworten. Die Arbeitshilfe versucht hier einen Überblick über den sich entwickelnden rechtlichen Rahmen zu geben. Einzelne Kapitel beschäftigen sich mit Fragen von Ethik, Urheberrecht, Deep Fakes, Nachhaltigkeit und unbeabsichtigten Datenabflüssen.

Im Bereich von Deep Fakes, also Imitationen von Menschen und vorgeblich realen Situationen, wird immer deutlicher, dass abgebildete Personen mit Konsequenzen aus Deep Fakes mitunter sehr lange zu kämpfen haben, aber durch Gesetzgebung und Maßnahmen zur Strafverfolgung nicht ausreichend geschützt sind. Die Arbeitshilfe stellt daher auch Abwehrmöglichkeiten für Betroffene sowie Anlaufstellen zur Beratung und Unterstützung vor.

Für die politische Jugend- und Erwachsenenbildung essenziell ist das Vorhandensein von geschützten Räumen, um neue Möglichkeiten gefahrlos kennenzulernen und damit experimentieren zu können.

Präventive Maßnahmen wie das digitale Untauglichmachen („Vergiften“) für KI-Systeme spielen auch in weiteren Themenabschnitten der Arbeitshilfe eine Rolle. Für die politische Jugend- und Erwachsenenbildung essenziell ist das Vorhandensein von geschützten Räumen, um neue Möglichkeiten gefahrlos kennenzulernen und damit experimentieren zu können. Mit Hilfe der ausführlichen Checkliste im zweiten Teil werden politische Bildner*innen und Teams in die Lage versetzt, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die Arbeitshilfe steht kostenfrei für Interessierte zur Verfügung. Die Online-Ausgabe finden Sie unter https://go.adb.de/arbeitshilfe-ki-einsatz.

Ansprechpartner

Tim Schrock ist Referent für digitale politische Bildung beim Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. und arbeitet dort zu Themen wie Digitalisierung, Netzpolitik, digitale Freiräume und Datenschutz. Er bietet regelmäßig Fortbildungen zu seinem Arbeitsfeld an.
schrock@adb.de