Befragungsergebnisse der KommunalAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
Die KommunalAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, das kommunale Engagement zu fördern und steht damit ganz nah am Gründungszweck der Friedrich-Ebert-Stiftung, das sich in einem Friedrich Ebert zugeschriebenen Zitat zusammenfassen lässt: „Demokratie braucht Demokrat*innen.“
Die Bildungsarbeit dient verschiedenen Zielen: Auf der großen gesellschaftlichen Ebene sollen die politischen Bildungsangebote dazu beitragen, dass Kommunalpolitik in der Lage ist, die solidarisch-ökologische Transformation zu gestalten. Auf der Akteursebene ist die Vision, eine Stärkung der repräsentativen Demokratie auf kommunaler Ebene mit einem starken kommunalen Ehrenamt zu erreichen, das so vielfältig ist wie unsere Gesellschaft, mit guten Rahmenbedingungen für das kommunale Engagement. Aus dieser Vision lassen sich konkretere Arbeitsziele ableiten:
- Wir setzen progressive Handlungskonzepte für Kommunalpolitik auf die Agenda und diskutieren diese.
- Wir sensibilisieren und gewinnen Kommunalpolitiker*innen für eine nachhaltige, sozial gerechte, diskriminierungssensible Kommunalpolitik.
- Wir verschaffen interessierten Menschen Zugang zu Kommunalpolitik.
- Wir stärken bislang unterrepräsentierte Gruppen.
- Wir informieren und qualifizieren kommunalpolitisch Interessierte und Engagierte.
- Wir tragen bei zu einem Netzwerk von progressiven und vielfältigen Kommunalpolitiker*innen.
Vor dem Hintergrund dieser Ziele bietet die KommunalAkademie Weiterbildung, Beratung und Dialog. In verschiedenen Formaten vermittelt sie Fachwissen, sowie methodische und persönliche Kompetenzen. Dafür nutzt sie Konferenzen, Seminare, digitale Formate, e-Learning-Kurse und Publikationen, um verschiedenen Lerngewohnheiten und Bedürfnissen gerecht zu werden.
Aber wie wirken diese speziellen politischen Bildungsangebote? Wie haben sie sich in den letzten Jahren verändert? Wie erfolgreich sind sie? Und woran lässt sich der Erfolg messen oder beobachten?
Dieser Text liefert keine fundierte Auseinandersetzung zur Wirkungsbeobachtung oder gar Wirkungsmessung politischer Bildung. Er soll vielmehr einen Einblick geben in ein konkretes politisches Bildungsangebot, das regelmäßig ausgewertet und überprüft wird. Der Artikel liefert einen Einblick in die sich in den letzten Jahren verändernden Bildungs-Konsumgewohnheiten von Personen, die kommunalpolitisch aktiv sind und Weiterbildung suchen.
Die Zielgruppe der Bildungsarbeit sind ehrenamtlich engagierte Kommunalpolitiker*innen. Diese Engagierten kommen in der Regel als Laien in kommunale Mandate und müssen sich die fachliche Expertise und die persönlichen Qualifikationen selbst erarbeiten. Das kommunale Mandat ist zunehmend herausfordernd, da umfangreiche Beschlussunterlagen, zeitraubende Gremiensitzungen und komplexe politische Sachverhalte zu bewältigen sind. Das ist in der Regel schwer vereinbar mit beruflichen oder familiären Aufgaben.

Viele Mandatsträger*innen beklagen zudem ein raues Diskursklima in den Ratssälen und im Dialog mit Bürger*innen, insbesondere in den Sozialen Medien. Nicht nur gäbe es kaum finanzielle Entschädigung für das „Ehren“amt, es fehle insgesamt an Wertschätzung. Kommunalpolitiker*innen werden immer wieder Zielscheibe von Hate Speech (vgl. die FES-Fachtagung „Uns reicht’s!“ im Mai 2023; www.fes.de/fachtagung-uns-reichts, oder den ARD Monitor „Angriffe auf Kommunalpolitiker: Demokratie in Gefahr?“; www.ardmediathek.de). Zugriff auf diese und alle weiteren in diesem Beitrag genannten Links: 20.03.2024 Die Abnahme von Parteibindung und veränderte Formen des Engagements tragen noch dazu bei, dass es in vielen Regionen Deutschlands immer schwieriger wird, Kandidat*innen für kommunale Wahlämter zu finden.
Die Vielfalt in unserer Gesellschaft wird bei weitem nicht durch die gewählten Mandatsträger*innen repräsentiert. Ein Blick in die Statistik zeigt sofort die deutliche Überrepräsentation von Männern, sowohl in den Verwaltungsspitzen, als auch im kommunalen Ehrenamt. Aktuelle Untersuchungen der Heinrich-Böll-Stiftung belegen, dass Frauen lediglich 39 % der Amts- und Mandatsträger*innen in deutschen Großstädten ausmachen und dass Menschen mit Migrationsgeschichte dort nur mit 13 % vertreten sind. Auch sind diese Mandatsträger*innen zu über zwei Dritteln Akademiker*innen (vgl. www.boell.de/de/vielfalt-sucht-repraesentation). Viele Gremien leiden außerdem an Überalterung und ringen mit dem Generationswechsel in den kommunalen Gremien. Diese Repräsentationslücken gilt es zu schließen – keine einfache Aufgabe, insbesondere unter den oben beschriebenen Rahmenbedingungen für das kommunale Ehrenamt.
Politische Bildung in 2024 – Einblicke und Beobachtungen
Die Corona-Pandemie als Zäsur in der politischen Bildung
Wie für viele andere Akteur*innen in der politischen Bildung war auch für die KommunalAkademie der Ausbruch der Corona-Pandemie eine Zäsur. Bis zum März 2020 gab es nur einige wenige Versuche, die kommunalpolitische Bildung in den digitalen Raum zu verlegen. Online-Seminare schienen aber dennoch attraktiv, da kommunalpolitisch Engagierte neben Beruf, Familie und Ehrenamt häufig keine Zeit für Weiterbildung hatten. Die Vorstellung langer Reisewege war auch bereits vor Corona für viele (weibliche) Teilnehmende ein Hemmnis. Der Ausbruch der Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen für den Präsenz-Veranstaltungsbetrieb sorgten bei der KommunalAkademie unmittelbar für die Digitalisierung eines Großteils der Seminare und Konferenzen. Diese Webinare waren stark nachgefragt, Teilnehmenden-Zahlen schossen in die Höhe, digitale Kollaborationstools eröffneten plötzlich ganz neue Möglichkeiten, sich weiterzubilden, auszutauschen und auch die politische Arbeit fortzusetzen (vgl. www.fes.de/kommunalakademie/digitale-zusammenarbeit-kommunal). 2020 und 2021 waren die Jahre zahlreicher digitaler Bildungsformate, die sich großen Interesses erfreuten. Die Akademie investierte viel Zeit in die didaktische Beratung der Trainer*innen, nahm fähige technische Moderator*innen unter Vertrag und versuchte so, das Lernerlebnis so echt und nachhaltig zu gestalten wie möglich. Die später eintretende „Zoom-Fatigue“ war eine logische Konsequenz der vielen Videokonferenzen und der manchmal langen und zum Teil frontal gestalteten Veranstaltungen. 2022 und 2023 wurde dann eine Rückkehr in den Präsenzbetrieb von Teilnehmer*innen wie Veranstalter*innen erhofft und ersehnt. Wie andere auch, setzte die KommunalAkademie wieder mehr auf Präsenz-Formate und musste feststellen: Was zunächst vielleicht wie eine temporäre Erscheinung wirkte, hat sich verstetigt: Die Menschen sind weniger bereit für Weiterbildung zu reisen, der finanzielle und zeitliche Aufwand für eine Präsenz-Veranstaltung wird nur in Kauf genommen, wenn der konkrete Nutzen einer persönlichen Begegnung erkannt wird.
Veränderte Nutzungsgewohnheiten und Bedürfnisse
Mithilfe verschiedener Analyse-Werkzeuge hat die KommunalAkademie veränderte Teilnahmegewohnheiten und Bedürfnisse der Teilnehmenden ermittelt. Hierfür wurden neben Statistiken mit demografischen Informationen über die Teilnehmenden, Feedbackbögen, die am Ende von Veranstaltungen von den Teilnehmenden ausgefüllt werden und eine gute Datenbasis liefern, auch gezielte Befragungen von Teilnehmenden in größeren zeitlichen Abständen ausgewertet.
Individueller Kompetenzerwerb ist erste Priorität
Bei den Befragungen gaben die Teilnehmenden an, dass sie sich sowohl Veranstaltungen im Bereich der persönlichen Kompetenzen wünschen als auch kommunale Fachthemen, wie z. B. Digitalisierung, Mobilität oder Klimawandel. In der Praxis werden jedoch die Fachthemen deutlich weniger stark nachgefragt werden, als die Angebote mit Fokus auf die persönlichen Kompetenzen, den Erwerb von Soft Skills, wie z. B. bei Seminaren zu Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstmarketing oder souveränem öffentlichen Auftritt. Die Teilnehmenden scheinen sich insbesondere dann für Seminarthemen Zeit zu nehmen, wenn sie sich über das Engagement hinaus eine persönliche Entwicklung versprechen.
Hohe Flexibilität – niedrige Verbindlichkeit
Corona-bedingt haben viele Teilnehmenden erlebt, dass Bildungsveranstaltungen oft auch sehr kurzfristig abgesagt wurden. Sie haben erlebt, dass Präsenz-Angebote spontan digitalisiert wurden, wenn steigende Inzidenzen wieder zu Kontaktbeschränkungen führten. Die Akademie konnte immer seltener zusichern, dass eine Veranstaltung auch wie geplant stattfand.

Heute trifft die Beobachtung zu, dass die Teilnehmenden auch zunehmend flexibel entscheiden, ob sie an Veranstaltungen teilnehmen oder nicht, auch wenn sie sich bereits angemeldet haben. Die „No-Show-Rate“ bei kostenfreien digitalen Formaten liegt zwischen 40 und 50 %. Wenn ein Teilnahmebeitrag entrichtet wurde, steigt die Verbindlichkeit. Insgesamt konnte festgestellt werden, dass von ca. 880 angemeldeten Personen im Jahr 2023 am Ende nur ca. 520 Personen zu Veranstaltungen erschienen sind. Bei Präsenz-Veranstaltungen bringt das unangenehme Stornokosten mit sich, bei Online-Formaten ist die Größe der Seminar-Gruppe zunehmend unberechenbar. Das erschwert die methodische Vorbereitung.
Nur noch online lernen?
Die Anmeldezahlen für kurze, digitale, kostenfreie Seminare sind – unabhängig von Thema, Inhalt und Referent*in – grundsätzlich höher. Präsenz-Veranstaltungen oder lange digitale Formate, bei denen ein Teilnahmebeitrag entrichtet werden muss, erfahren weniger Resonanz. Es entsteht der Eindruck, dass sich die Teilnehmenden sehr gezielt kleine Wissens- oder Kompetenzbausteine aussuchen, um möglichst viel in kurzer Zeit zu lernen.
Es kann ebenfalls in den letzten Jahren beobachtet werden, dass der Frauen-Anteil in den Bildungsveranstaltungen steigt, je mehr Online-Formate angeboten werden. Beispielhaft aus 2023 ein Blick in die Statistik: Der Anteil von Frauen in Präsenz-Formaten betrug 2023 48 %, bei den Online-Veranstaltungen lag der Anteil bei 54 %. Eine Entwicklung, die aufhorchen lässt und Rückschlüsse zulässt: Frauen bevorzugen offenbar aus verschiedenen Gründen digitale Bildungsformate.
Einen weiteren Beleg dafür liefern die e-Learning-Angebote der KommunalAkademie: Seit Mitte 2022 bietet sie verschiedene e-Learning-Kurse an. Die Nachfrage nach diesen Selbstlern-Angeboten, bei denen die Teilnehmenden orts- und zeitunabhängig lernen, ist ungebrochen hoch. Allerdings ist hier die Verbindlichkeit noch niedriger als bei den Veranstaltungen. Von den rund 1.000 Teilnehmer*innen, die sich zwischen Juni 2022 und Dezember 2023 für e-learning-Kurse angemeldet hatten, begannen nur etwa die Hälfte den Kurs. Von denjenigen, die den Kurs starteten, schlossen ihn, je nach Kurs, zwischen 66 % und 85 % ab. Mit den e-Learning-Kursen erreicht die KommunalAkademie jedoch auch völlig neue Zielgruppen. Viele der Interessierten, besuchen mit dem e-learning zum ersten Mal eine Veranstaltung der politischen Bildung der FES. Für den Kurs 1 „Kommune in Staat und Gesellschaft“ waren es beispielsweise 75 % Erstteilnehmende. Es lohnt auch hier der Blick auf die unterschiedliche Resonanz von Männern und Frauen: Die Frauen machen hier in 2022 und 2023 50 % der Teilnehmenden aus, also auch 3 % mehr als im Präsenz-Veranstaltungsbetrieb. Auch die e-Learning-Kurse zeigen Wirkung: Die Teilnehmenden können das im Kurs Gelernte für ihre (gesellschafts-)politische Arbeit nutzen, geben 89 % bei Kurs 1 an.
Neben Veranstaltungen und e-Learning-Kursen gibt die KommunalAkademie auch Publikationen heraus. Blicken wir beispielhaft auf die Reihe Grundwissen Kommunalpolitik (www.fes.de/kommunalakademie/grundwissen-kommunalpolitik), die sowohl digital als auch gedruckt erhältlich ist: Die Reihe besteht aus 15 Bänden, die im Jahr 2023 38.000 Mal heruntergeladen wurden. Eine beeindruckende Zahl, die noch ergänzt wird, durch 3.000 Print-Exemplare der Reihe, die entweder individuell bestellt oder durch die KommunalAkademie an Infoständen oder als ergänzendes Lehrmaterial ausgegeben wurden.
Keine Zeit für Weiterbildung?
2023 wurden alle Personen befragt, die bereits Veranstaltungen der KommunalAkademie besucht oder ihr Interesse an den Veranstaltungen durch ein Abo des Newsletters signalisiert hatten. Über 100 Personen nahmen an der Befragung teil.
Auf die Frage „Wie viele Stunden pro Woche engagieren Sie sich kommunalpolitisch?“ geben über die Hälfte an, zwischen 6 und 20 Stunden wöchentlich in ihr Engagement zu investieren. Das kommunale Engagement ist zeitlich fordernd. Das wissen wir auch aus anderen Erhebungen. Es überrascht daher nicht, dass die Befragten Zeitmangel aufgrund des Berufs, aufgrund des kommunalen Mandats oder aufgrund der Familie als häufigste Gründe angeben, nicht an den Weiterbildungsangeboten der KommunalAkademie teilzunehmen.

Abbildung 1: Was hält Sie davon ab, Veranstaltungen der KommunalAkademie zu besuchen?
41 % der befragten Frauen geben an, dass neben dem Beruf vor allem ihr kommunales Mandat ihnen keine Zeit lässt, sich weiterzubilden. Die Männer sind insgesamt etwas weniger vom Zeitmangel betroffen, wenn auch nicht signifikant. Allein der Zeitmangel aufgrund der familiären Verpflichtungen ist für die Frauen deutlich häufiger ein Hinderungsgrund (34 %) als für die Männer (23 %). Auch das Alter der Teilnehmenden beeinflusst die Teilnahmemöglichkeiten stark. Auch hier bestätigen die Rückmeldungen aus der Befragung die Annahme: Die Personen zwischen 28 und 52 Jahren sind beruflich deutlich häufiger eingespannt und gefordert, als die Vergleichsgruppe ab 53 Jahre und älter. Für die Jüngeren ist mit 62 % der Beruf der Hauptgrund, warum sie keine Bildungsveranstaltungen besuchen können. Dahinter kommt mit 47 % die Familie und erst an dritter Stelle das kommunale Mandat. Die familiären Verpflichtungen fallen bei den Älteren nur mit 18 % ins Gewicht.
Welche Schlüsse können aus den Befragungsergebnissen gezogen werden? Sind kurze digitale Formate, e-Learning-Kurse und Publikationen die Formate der Zukunft – insbesondere dann, wenn Frauen und jüngere Menschen angesprochen werden sollen, um die Repräsentationslücke zu schließen und Personen für kommunale Mandate gewonnen und qualifiziert werden sollen, die noch im Berufsleben stehen?
Die KommunalAkademie hat ihre Teilnehmenden danach gefragt und hier zeigt sich ein differenzierteres Bild: Obwohl die kurzen Online-Angebot zahlenmäßig stärker nachgefragt werden, geben die Teilnehmenden in der Befragung an, dass „der Zusammenhalt“, das „gemeinsame Erlebnis“, „der Erfahrungsaustausch“, „die Vernetzung“ und der „Kontakt untereinander“ rückblickend zu den wichtigsten Dingen gehören, die sie aus den Veranstaltungen mitnehmen. Alles Aspekte, die im Online-Seminar weniger gut möglich sind, da der direkte Austausch und das persönliche Kennenlernen und Vernetzen häufig auch in den Kaffeepausen, während der Essenspausen oder der gemeinsamen Abendgestaltung stattfindet.
Wirkungsbeobachtungen
Die nachfolgenden Wirkungsbeobachtungen und Annahmen beruhen auf den Selbsteinschätzungen der Teilnehmenden und ihre Auskunft über die eigene persönliche und politische Entwicklung.
Bei den kommunalpolitischen Bildungsangeboten gibt es einige Indikatoren, die auf eine positive Wirkung der Bildungsangebote hinweisen:
- Teilnehmende geben an, dass die Bildungsangebote sie motiviert haben, sich kommunalpolitisch zu engagieren.
- Sie kandidieren nach dem Besuch einer Bildungsveranstaltung tatsächlich für ein kommunales Mandat.
- Teilnehmende geben an, dass die Angebote ihnen helfen, ihr kommunales Mandat professioneller auszuüben.
- Teilnehmende geben an, dass die Bildungsangebote sie bei ihrer politischen Arbeit unterstützen, sie sind zufrieden mit der Qualität.
- Wir erreichen mit unseren Angeboten in der Kommunalpolitik Frauen, die in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert sind.
Motivation und Qualifikation für das kommunale Engagement
Aus der bereits oben erwähnten Befragung erfahren wir, dass 41 % der Befragten ein kommunales Mandat innehaben, 12 % streben es an und 76 % sind in einer Partei engagiert. Die Akademie erreicht also Menschen, die sich kommunalpolitisch engagieren und das ist schon ein erster Schritt zum Erfolg.
„Die Angebote helfen mir, mein Mandat professioneller auszuüben“, sagen 51 %. 16 % der Befragten wurden durch die Angebote motiviert, für ein kommunales Mandat zu kandidieren, und 16 % antworten, die Angebote der KommunalAkademie habe sie vorbereitet auf eine Kandidatur.
Nutzen und Zufriedenheit
Nach jeder Veranstaltung werden die Teilnehmenden gefragt, wie sie das Erlernte nutzen können. Die zwei meist gewählten Antworten sind: „Ich kann die Kenntnisse im Rahmen meines ehrenamtlichen oder gesellschaftspolitischen Engagements nutzen.“ Und: „Die Veranstaltung hat mich motiviert, mich künftig gesellschaftlich zu engagieren.“

Abbildung 2: Wie werden Sie die Ergebnisse der Veranstaltung nutzen können? Inwiefern treffen folgende Aussagen zu?
Daneben wird auch die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit den Angeboten erhoben: In 2023 empfehlen 96 % der Teilnehmenden die Teilnahme uneingeschränkt weiter. Die Teilnehmenden bewerteten die Veranstaltungen im Durchschnitt mit der Schulnote 1,4.
Die meisten Personen nehmen unterschiedliche Angebote wahr, etwa die Hälfte nutzt neben Veranstaltungen auch Publikationen. Die angebotenen Themen sind für knapp 90 % relevant. Nur sehr selten wird angegeben, dass Angebote anderer Anbieter attraktiver oder besser geeignet sind.
Die Befragten bewerten die fachlichen Impulse zu Kommunalpolitik als besonders relevant (61 %) neben Rhetorik und Gesprächsführung, Social Media, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und strategische Führung (jeweils ca. 47 %). Besonders wichtig ist neben dem Input von Expert*innen bereits an zweiter Stelle der Austausch in der Gruppe.
Unterrepräsentierte Zielgruppen erreicht?
Ein Ziel der KommunalAkademie ist, Repräsentationslücken zu schließen und Vielfalt beim kommunalen Engagement zu stärken. Wer wird mit den Angeboten tatsächlich erreicht? Werfen wir einen Blick auf die Dimensionen, Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss und Migrationsgeschichte:
Frauen und Männer werden quer durch die verschiedenen Formate in etwa zu gleichen Teilen angesprochen. Der Frauenanteil wird proaktiv gesteuert, indem die Seminarplätze bei manchen Formaten paritätisch an Männer und Frauen vergeben werden und sich andere Veranstaltungen gezielt an Frauen* richten. Statistisch erheben wir erst seit 2023 die Dimension „divers“ und können hier noch wenig Auskunft geben.
Wir erheben auch das Alter unserer Teilnehmenden. Bei den digitalen und Präsenz-Veranstaltungen stellen die 53–65-Jährigen ein starkes Drittel der Teilnehmenden, die 41–52-Jährigen sind nur mit 26 % und die 28–40-Jährigen nur mit 20 % vertreten. Verglichen mit der Altersstruktur in den meisten kommunalen Vertretungen, sind diese Teilnehmenden jünger, dennoch wäre eine Teilnahme von mehr Menschen unter 53 Jahren zu begrüßen. Das e-Learning-Angebot spricht die 28–52-Jährigen etwas besser an, die Unterschiede sind aber nicht signifikant.
Bei dem Ziel, Kommunalpolitik diverser aufzustellen, spielt auch der Bildungsabschluss eine Rolle. Die kommunalen Vertretungen sind sehr stark akademisch aufgestellt. Hier kann die KommunalAkademie bisher auch kein Gegengewicht bilden. Rund 67 % der Teilnehmenden in 2023 haben einen Hochschulabschluss, diese Zahl ist seit vielen Jahren so hoch, hier braucht es eine Strategie, mit der dieses Ungleichgewicht angegangen werden kann.
In den Jahresstatistiken wird bisher keine internationale Familiengeschichte erhoben. Es liegt aber eine Stichprobe vor: Von den 100 Personen, die an einer Befragung im Herbst 2023 teilnahmen, gaben 12 % eine eigene Migrationsgeschichte an. Um mehr Aufschluss zu erhalten, müsste die Migrationsgeschichte zukünftig regelmäßig erhoben werden.
Welches Zwischenfazit kann gezogen werden?
Nach rund zehn Jahren regelmäßiger Auswertung konnten verschiedene Erkenntnisse gewonnen werden: Die KommunalAkademie erreicht kommunalpolitisch Interessierte und Engagierte. Viele von ihnen streben ein kommunales Mandat an oder haben bereits eines inne. Frauen sind sehr gut in unseren Veranstaltungen vertreten. Jüngere und migrantische Personen könnten noch gezielter angesprochen werden. Dafür müssten auch entsprechende Kooperationspartner*innen gesucht werden.
Die Teilnehmenden nutzen die Bildungsangebote für ihr kommunales Engagement und sind mit der Qualität der Veranstaltungen, den Inhalten und den Formaten zufrieden oder sehr zufrieden. Es ist der Auftrag der KommunalAkademie, die richtige Mischung aus fachlichen Themen und Kompetenzangeboten sowie aus verschiedenen digitalen und Präsenz-Formaten anzubieten, um einerseits den Bedürfnissen der Teilnehmenden („kurz, knackig, digital, persönlicher Kompetenzgewinn“) nachzukommen und gleichzeitig nachhaltige Lernerfahrung in politisch wichtigen Themen anzubieten. Hier ist Kreativität gefragt. Um nach wie vor Austausch, Netzwerken und persönliche Begegnung zu ermöglichen, müssen auch weiterhin Veranstaltungen in Präsenz angeboten und digitale Formate so partizipativ und teilnehmendenorientiert wie möglich gestaltet werden. Die großen Veränderungen, wie z. B., dass sich die Menschen an virtuelle Treffen gewöhnt haben, schätzt und nutzt auch die Akademie. Dem Zeitmangel und dem Wunsch nach zeitlicher und örtlicher Selbstbestimmung werden digitale Angebote, wie e-learning-Kurse und Online-Kurz-Veranstaltungen besser gerecht. Formate zu kombinieren kann ein Weg sein: e-Learning und Online-Seminare können sich gut ergänzen, kurze vorbereitende Online-Treffen können Lust machen auf eine Präsenz-Veranstaltung, die vielleicht nicht immer mit Übernachtung geplant werden muss. Ein und dasselbe Thema kann in verschiedenen Formaten angeboten werden. All das muss natürlich im Rahmen der vorhandenen Ressourcen geschehen.
Die KommunialAkademie arbeitet bereits an der Teilnehmendenbindung, bemüht sich viel zu kommunizieren, so die Verbindlichkeit zu erhöhen und Teilnehmende in die Entwicklung von Formaten einzubeziehen.
Ein Fazit ist auch, dass wir auf viele Rahmenbedingungen für das kommunale Ehrenamt keinen Einfluss haben. Das kommunale Engagement steht unter Druck. Hier gilt es auch, die politischen Weichen so zu stellen und die Rahmenbedingungen für das kommunale Ehrenamt so zu verbessern, dass weiterhin Menschen Lust haben, sich kommunalpolitisch einzubringen. Dafür können wir an den geeigneten Stellen werben. Auskömmliche kommunale Haushalte würden wieder zu mehr politischem Gestaltungsspielraum führen. Das macht nicht nur Städte und Gemeinden lebenswerter, sondern steigert auch die Attraktivität des kommunalen Mandats. Denn im Engagement möchten Menschen gestalten und Veränderungen bewirken und nicht nur den Mangel verwalten.
Eine Beobachtung, die im persönlichen Kontakt regelmäßig gemacht wird, die sich nicht aus Feedback-Bögen und Befragungen herauslesen lässt, ist folgende: Die Menschen, die sich auf den Weg machen um sich für ihr kommunalpolitisches Engagement weiterzubilden, begegnen uns als hoch motivierte, idealistische, politisch denkende Personen, die ihre Wohn- und Lebensorte aktiv gestalten möchten. Die Kontakte zu den Teilnehmenden sind inspirierend und machen Hoffnung. Diese Menschen wirken an der Basis der Demokratie mit und sind für deren Erhalt unerlässlich. Die Begegnungen mit ihnen schenken Motivation und Kraft, weiterhin starke Bildungsangebote für die Kommunalpolitik zu entwickeln und anzubieten.
Zur Autorin

Anne.Haller@fes.de
Foto: Reiner Zensen